Aussetzen der Wehrpflicht wäre vernünftig
Frage: Herr Tobiassen, der Wehrdienst soll ab 2011 auf sechs Monate verkürzt werden. Was halten Sie davon?
Tobiassen: Für Wehr- und Zivildienstleistende ist das erfreulich, sachlich gesehen aber Unsinn. Die neue Dienstzeit bedeutet weiterhin ein Jahr Ausbildungszeitverlust. Abiturienten müssen nach sechs Monaten Dienst neun Monate auf den nächstmöglichen Studienbeginn im Oktober, andere Schulabgänger sieben Monate auf den Ausbildungsbeginn im August warten. Auffangen und finanzieren müssen das Eltern, Arbeitsagenturen und Sozialämter. Die Aussetzung der Wehrpflicht wäre die vernünftige Lösung gewesen.
Frage: Hartnäckig hält sich die These von der Notwendigkeit der Wehrpflicht für die Aufstockung der Bundeswehr im Verteidigungsfall . . .
Tobiassen: . . . diese These ist ein Phantom. Wer im Verteidigungsfall eingesetzt werden soll, müsste in Übung gehalten werden. Das geschieht schon seit Jahren nicht mehr. Nur noch weniger als ein Prozent der Wehrdienstleistenden kann an Wehrübungen teilnehmen. Und das nur, weil sie es unbedingt wollen. 21 der 27 EU-Mitgliedstaaten, 23 der 28 Nato-Mitgliedstaaten haben keine Wehrpflicht mehr.
Frage: Welche Folgen hätte die Verkürzung auf sechs Monate für den Zivildienst?
Tobiassen: Im Zivildienst wird sich wenig ändern. Wo längere Einsatzzeiten nötig sind, werden Zivildienstleistende durch Helfer im Freiwilligen Sozialen Jahr ersetzt. Dort, wo Zivildienstleistende bisher schon auf Handlangerdienste reduziert wurden, wird mit sechs Monaten ebenso gut gearbeitet werden können wie mit neun.
thema: Verkürzung der Wehrdienstzeit
Peter Tobiassen, Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer in Bockhorn
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