Verbreitung exotischer Arten soll kontrolliert werden

FORSCHUNG „Tierische Einwanderer“ richten Schaden an – Wissenschaftler suchen nach Lösung


YB

Oldenburg - Ein seltenes Naturphänomen gab es vor kurzem auf den ostfriesischen Inseln zu sehen. Dort wurden von der Flut riesige Mengen verendeter Muscheln angespült, die der Kälte nicht hatten standhalten können und verendet waren (die NWZ berichtete). Seit 30 Jahren ist die amerikanische Schwertmuschel in der Nordsee heimisch und gehört damit zu etwa 200 exotischen Arten in dem Gewässer, von denen sich allein dort etwa 140 bis 150 fest etabliert haben.

Einige Arten schädlich

Während einige exotische Arten keine Gefahr darstellen, sind andere schädlich. So zerstört beispielsweise die Chinesische Wollhandkrabbe durch das Graben von Gängen an Flüssen ganze Uferbefestigungen. „Sie hat in Deutschland seit 1912 Kosten von etwa 80 Millionen Euro verursacht“, sagt Professor Dr. Bernd Blasius vom Oldenburger Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). Solche Bioinvasionen entstünden unter anderem dadurch, dass sich Arten durch Wind oder Meeresströmungen ausbreiten. Die meisten marinen Arten gelangten aber über Ballastwasser in Schiffen in neue Gebiete, so Blasius.

Gemeinsam mit einem Team aus Wissenschaftlern arbeitet der Experte an der Erstellung mathematischer Modelle, mit deren Hilfe Bioinvasionen durch gezielte Eingriffe eingedämmt werden könnten. Dazu sind Informationen über die Bewegung von Schiffen notwendig. Eine Aufzeichnung über den gesamten Schiffsverkehr gab es bisher nicht, sagt Blasius.

Dafür nutzten die Wissenschaftler das Automatic Identification System (AIS), das nach den Anschlägen des 11. September 2001 eingeführt wurde. Mit diesem System sind alle großen Schiffe ausgestattet. Über Funk werden Daten übermittelt, wann immer ein Schiff in einen Hafen einläuft oder ihn verlässt. Die Daten kauften die Wissenschaftler einer Firma ab.

Netzwerke erstellt

Nun waren sie in der Lage, die Bewegungen großer Schiffe nachzuvollziehen und so ein Netzwerk von Hafenverbindungen zu erstellen. „Wir haben etwa 1000 Häfen einbezogen. 80 Prozent aller Bewegungen haben wir in unserer Datenbank“, berichtet Blasius. 500 000 Schiffsbewegungen wurden so für das komplette Jahr 2007 erfasst.

ANZEIGE

Die Wissenschaftler konnten nun sehen, welche Strecken besonders häufig genutzt wurden. Dort könnte sich eine Bekämpfung fremder Arten im Ballastwasser lohnen. „Man kann Filtertechniken anwenden oder chemische Bekämpfungen vornehmen. Das ist jedoch nicht immer nötig“, erklärt Blasius.

Anhand der gewonnenen Daten erstellen die Wissenschaftler mathematische Modelle, aus denen sich erschließen lässt, wann besondere Risiken bestehen und wann gehandelt werden muss.


FUNKTIONEN
01.02.2010
Empfehlen Sie uns weiter:


Leserkommentare (0)
Wie ist Ihre Meinung? Um Artikel kommentieren zu können, benutzen Sie bitte diese Kommentarbox. Auf der Folgeseite können Sie sich registrieren bzw. mit Ihrem NWZ-Zugang anmelden. Beachten Sie dabei unsere Diskussionsregeln.




WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT

Unfall mit Gefahrgut auf A1: Kilometerlange Staus

Ein schwerer Verkehrsunfall auf der „Hansalinie“ bei Lohne (Kreis Vechta) hat am Donnerstag zu einer mehrstündigen Vollsperrung der A1 zwischen den Anschlussstellen Lohne/Dinklage und Vechta geführt. Kurz nach 14 Uhr hatte ein Pkw einen Lkw touchiert.mehr

Fregatte „Bremen“ läuft zu einem NATO-Einsatz aus

Die Fregatte „Bremen“ wird am Montag (6. September) zu einem NATO-Einsatz im Mittelmeer aufbrechen. Wie die Marine am Donnerstag mitteilte, wird das Schiff Wilhelmshaven verlassen, um sich der „Standing NATO Maritime Group 2" anzuschließen.mehr

Kreis Vechta: Auto brennt - 22-jähriger Fahrer stirbt

Ein Todesopfer hat ein schwerer Verkehrsunfall am Donnerstag in Dümmerlohausen (Kreis Vechta) gefordert. Kurz nach 9.15 Uhr hatten Augenzeugen ein in Flammen stehendes Auto auf der vom Olgahafen nach Damme führenden Landesstraße 853 gemeldet.
Der Fahrer, ein 22-Jähriger aus dem Kreis Steinfurt, konnte sich aus dem völlig demolierten Fahrzeug, das zuvor frontal gegen einen Baum geprallt war und dann explosionsartig Feuer gefangen hatte, befreien. Er erlag jedoch innerhalb kürzester...mehr

Stade: Ehefrau erschlagen - Prozessauftakt

Weil er seine schlafende Frau mit einem Hammer erschlagen hat, steht seit Donnerstag ein 63 Jahre alter Mann wegen Mordes vor dem Landgericht Stade. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im März dieses Jahres die Wehrlosigkeit der 67 Jahre...mehr

Bippen: Hoher Schaden nach Feuer in Gaststätte

Bei einem Brand im Dachgeschoss eines Gaststätten- und Hotelgebäudes in Bippen (Kreis Osnabrück) ist am Donnerstag ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro entstanden. Wie die Polizei mitteilte, löste wahrscheinlich ein technischer Defekt das...mehr

Anzeige
Umfrage

Wie schätzen Sie die Sicherheit von Online-Banking ein?




NWZ-Wetter
NWZ-Wetter
Vorschau
Wetterfrosch
Panorama-Tour Oldenburg

SONDERTHEMEN
Sonderthemen
 
RSS-DiensteRSS-Dienste| RSS-DiensteWebcams| Kontakt| Impressum| Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat