Viele Bürger empört über Stromsperre der EWE

Reaktion Frierende Kinder erregen die Gemüter – EWE prüft interne Abläufe


INE

Oldenburg - Empört reagierten am Donnerstag viele darauf, dass die EWE einer Mutter mit zwei kleinen Kindern im Alter von anderthalb und vier Jahren im Winter anderthalb Tage lang den Strom gesperrt hatte. „Das darf nicht passieren“, sagte ein Ohmsteder, der Enkelkinder hat. Andere wollen Unterschriften sammeln und erreichen, dass es künftig eine Sozialklausel vor der Sperrung gebe. Nadine Scharfenberg, die am Stargarder Weg lebt, stotterte bei der EWE hohe Altschulden ab und war in Verzug geraten. Dann sperrte der Versorger den Strom.

Als die Drei-Zimmer-Wohnung eiskalt blieb, wandte sich die 32-jährige Hartz-IV-Empfängerin hilfesuchend an die Arge, nachdem ein Vermittlungsversuch ihres Vermieters Peter Blohm bei der EWE gescheitert war. „Ich freue mich, dass unsere Sachbearbeiterin sofort etwas für die Frau und ihre Kinder tun konnte“, meinte am Donnerstag Volker Trautmann, Geschäftsführer der Hartz-IV-Behörde Arge, zu diesem Fall.

Die Sachbearbeiterin hatte umgehend bei der EWE angerufen und die Zahlung übernommen, woraufhin der Strom wieder angestellt wurde. Nun muss Nadine Scharfenberg die Schulden in 50-Euro-Raten bei der Arge abstottern.

Arge-Geschäftsführer Volker Trautmann kritisiert auch, dass Strom gesperrt wurde, ohne zuvor eine Lösung zu suchen. Er sagte allerdings, das sei ein Einzelfall, ansonsten habe man ein gutes Verhältnis zur EWE und könne verhindern, dass Kinder frieren müssten. Wie EWE-Sprecher Reinhard Schenke mitteilte, habe man den Fall zum Anlass genommen, „die internen Abläufe zu überprüfen“.

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12.02.2010
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Leserkommentare (6)
FD-OL
- 12.02.2010 15:25 Uhr
Auf "Zechprellerei" zu erkennen in Bezug auf eine alleinerziehende Mutter, die UNSTREITIG einen wesentichen Teil ihrer "Zeche" von Hartz IV abgestottert hat - was ist das?
Soziale Inkompetenz oder Kaltblütigkeit?

Die EWE selbst weist auf ihrer Homepage die Rubrik "EWE ist mehr" aus und erkennt stolz ein "Gesellschaftliches Engagement". Sollte sich das werbewirksam zB auf eine EWE-Arena, EWE-Aufkleber auf Linienbussen, die Unterstützung eines Schiffahrtsmuseums Brake oder die freundliche Übernahme der Bremer SWB AG reduzieren?
Die Hinterfragung des Umfangs gesellschaftlichen und der Obliegenheiten sozialen Engagements der EWE erscheint diskussionswürdig! Das Ergebnis der von der EWE angekündigten Prüfung "interner Abläufe" bleibt gespannt abzuwarten.

Soweit ein solcher Fall wie der der jungen Familie zu einem Forderungsausfall bei der EWE führt, der NICHT ANDERS ausgeglichen werden kann und daher ursächlich würde für eine (weitere) Steigerung der Energiekosten, dann läge jedenfalls einmal ein nachvollziehbarer Grund vor.
Jule1205
- 12.02.2010 12:02 Uhr
Wohlstand...heute?
Solidarität: Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens, ist keine Einbahnstrasse.

Jeder ist erst einmal für sich und seine Lieben selbst verantwortlich!
Wenn man nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, sollte man es von anderen auch nicht verlagen.

Die DDR wollte man nicht mehr, dort wurden Grundrechte beschnitten und Erziehung von Staat durchgeführt. Was bitte verlangen nun solche Leute von unserem Staat?

Nur weil die EWE Geld verdient ist sie nicht böse. Würden noch mehr "Zechpreller" dort ihren Strom beziehen, würde es für die Gemeinschaft noch teuer werden.
Auch ich habe kein Geld zu verschenken, denn ich bin auch Kunde bei der EWE. Allerdings muß ich auch arbeiten für mein Geld, trotz Kinder.
dahland
- 12.02.2010 10:06 Uhr
Diese Kommentare zeigen es doch schon wieder: Wir werden einmal mehr ganz genau den Weg der USA nehmen! Weil Jeder das Elend des Anderen noch mit herablassender Schelte bewertet. Ich habe mit diesem deutschen Volk kein Mitleid mehr, wenn es im Laufe der nächsten Jahrzehnte verschwindet. Der Wohlstand hat uns jede Solidarität ausgetrieben, selbst zwischen Freunden, Nachbarn und Familie. Möge es ein Hauen und Stechen geben bis es uns nicht mehr gibt. Ein Volk, in dem Jeder dem Sozialdarwinismus des Anderen ausgeliefert ist, hat keine Existenzberechtigung!
Jule1205
- 12.02.2010 09:56 Uhr
Die Arge bietet an, wenn man nicht mit Geld umgehen kann, dass der Abschlag gleich an die EWE abgeführt wird. Damit ist gewährleistet, dass man das Geld nicht anderweitig "verbraucht".

Dazu ist aber notwendig, dass man als Betroffener der Mund aufmacht und fragt. Der Staat ist nicht dazu da, die Verantwortung für die Bundesbürger zu übernehmen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und wenn man ein Problem hat muß man es selber lösen.

Hilfe gibt es in der Bundesrepublik genug, aber man muß seinen Mund aufmachen und seinen Hintern bewegen.

Schade, dass sich die Zeitung für solche "Stimmungsmache" hergibt!
RalWiem
- 12.02.2010 09:41 Uhr
wie kann mann Mitleid mit dieser Frau haben...wahrscheinlich alle Mahnungen ungeöffnet gelassen und gedacht,das wird schon..Ignoranz der Schuldnerin sondersgleichen gegenüber der EWE..
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