Damm ist endlich gebrochen
Frage: Warum kommen die Fälle von Missbrauch und Gewalt jetzt erst hoch?
FELDMEYER: Das ist ganz einfach. Das Thema war und ist leider vielfach noch ein Tabu. Vor allem bei der katholischen Kirche. Das, was die Kinder erlebt haben, sind Traumata. Die Opfer leiden ein Leben lang. Erst, wenn das Thema breit diskutiert wird, wissen sie, dass man es aussprechen kann. Sie haben das jahrzehntelang wie eine Bürde mit sich getragen. Jetzt, wo viele ins Alter kommen, dringt das alles wieder an die Oberfläche der Seele.
Frage: Sie laden die Kinder, die auch Opfer sind, ganz bewusst nach Varel ein?
FELDMEYER: Ja, denn das, was passiert ist, das ist hier an diesem Ort passiert. Ich habe von vielen, die sich nach den Berichten in der NWZ gemeldet haben, gehört, dass sie schon oft draußen vor der Tür auf dem Gelände waren. Sie haben sich aber nie getraut, zu uns zu kommen, sich zu öffnen. Dieser Damm ist endlich gebrochen. Danach wird die Last auf den Seelen leichter.
Frage: Wie können Sie heute verhindern, dass es Missbrauch oder Gewalt im Vareler Heim geben kann?
FELDMEYER: Heute ist Gott sei Dank eine andere Zeit. Wichtig ist, dass das Thema kein Tabu ist. Wir reden hier darüber. Bei der Einstellung sagen wir den Bewerbern das. Wir haben einen Kinderschutzbeauftragten. Jeder Mitarbeiter muss ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Ansonsten wissen alle Mitarbeiter: Bei uns gilt null Toleranz. Wer wie auch immer Gewalt ausübt, ist sofort raus.
thema: GEWALT AN KINDERN
ULRICH FELDMEYER, LEITER DES
HEILPÄDAGOGISCHEN HEIMES VAREL
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