Züge überfüllt: Passagiere bleiben auf Bahnhöfen zurück
KAPAZITÄTSPROBLEME Grüne verlangen umgehende Reaktion – Meiwald: Auch Busse könnten helfen
VON HEINER OTTO
Westerstede - Alles Jahre wieder das gleiche Bild auf den Bahnhöfen in Augustfehn, Westerstede-Ocholt und Bad Zwischenahn: Am Sonnabend vor dem nächsten Advent stehen hier zahlreiche Passagiere, die Weihnachtsmärkte in Oldenburg oder Bremen besuchen möchten. Andere haben Karten für ein Heimspiel von Werder Bremen. Der völlig überfüllte Zug läuft ein und fährt kurz darauf weiter, ohne dass jemand hätte zusteigen können. Einige kehren enttäuscht um, andere warten auf den nächsten Zug. Doch der ist ebenfalls überfüllt. Nichts geht mehr.
Grünen-Ratsherr Peter Meiwald aus Westerstede, der die beschriebene Situation vergangenen Sonnabend in Ocholt selbst erlebt hat, ist verärgert. „Dieser Stau am Gleis ist der Bahn nicht neu. Jedes Jahr zu Weihnachten gibt es die selben Probleme und die Bahn schaut nur zu“, kritisiert Meiwald.
Bereits am 11. Dezember 2002 und noch einmal am 11. Dezember 2004 wiesen die Grünen in Briefen an die DB Regio Niedersachsen auf die Missstände hin. Ihre Vorwürfe erreichten seinerzeit auch Bahnchef Hartmut Mehdorn. Als Reaktion setzte die Bahn auf der Strecke Oldenburg – Leer bald darauf Doppelstockwagen ein. Doch auch die sind zu Spitzenzeiten nicht in der Lage, alle Passagiere aufzunehmen.
Warum die Bahn nicht angemessen reagiert und Verstärkerzüge einsetzt, kann Meiwald mit Blick auf die aktuellen Schwierigkeiten nicht nachvollziehen. „Diese Probleme treten nicht plötzlich und unerwartet auf, sondern sind langfristig absehbar. Wir Grüne fordern die Bahn als Verkehrsträger mit Grundversorgungsauftrag auf, dieser Beförderungsverpflichtung nachzukommen und sich bei den um ihre Vorweihnachtsfreude gebrachten, stehen gelassenen Kunden zu entschuldigen“, so Meiwald.
Für den kommenden 4. Adventssonnabend fordern die Grünen darüber hinaus den Einsatz von Verstärkerzügen. Sollte das nicht möglich sein, so Meiwald, wäre auch mit dem Einsatz von Bussen von den Ammerländer Bahnhöfen nach Oldenburg geholfen.
Eine Stellungnahme der Bahn erwartet auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Gesine Multhaupt, Oldenburg. Angesichts steigender Preise hätten Bahnkunden einen Anspruch auf verlässlichen Service, so Multhaupt.
MdB Thomas Kossendey (CDU) bat unterdessen den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn Niedersachsen, Hans-Jürgen Meyer, um eine Stellungnahme. „Mir wurde zugesagt, dass die Bahn prüft, am kommenden Wochenende weitere Doppelstockwagen einzusetzen. Auch der Einsatz von Bussen wird in Betracht gezogen“, sagte Kossendey am Dienstag der NWZ.
Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst, Hamburg, führte das große Passagieraufkommen am vergangenen Sonnabend auf das Mitternachtsshopping und das Bundesligaspiel in Bremen sowie auf die Weihnachtsmärkte zurück. „Mit diesem Ansturm rechnen wir kommenden Sonnabend nicht“, so Brunkhorst.
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