Keine Gnade für die Birken
KOMMUNALPOLITIK Ausschuss plädiert erneut fürs Fällen der Bäume in Büppel
Die Birken an der Bürgermeister-Osterloh-Straße in Büppel verlieren derzeit ihre Blätter. Wann die ersten Bäume gefällt werden, steht noch nicht fest. BILD: CHRISTOPH KOOPMEINERS 
VON CHRISTOPH KOOPMEINERS
Varel - Die 605 Unterschriften, die das Ehepaar Golder für den Erhalt der 15 Birken an der Bürgermeister-Osterloh-Straße in Büppel gesammelt hatte, haben nichts genützt. Ihr Antrag ist am Montagabend im Straßen- und Verkehrsausschuss der Stadt Varel mit den sechs Stimmen der SPD abgelehnt worden. Vier Ratsmitglieder von FPD, Grünen, MMW und CDU stimmten dafür. Ein Ratsherr der Grünen enthielt sich. Damit ist der Beschluss des Verwaltungsausschusses aus dem Mai weiter gültig. Demnach werden die Birken Stück für Stück gefällt und gegen andere Bäume ersetzt. Die Stadt trägt die Kosten für das
Abholzen der Birken, ebenso die Kosten für den Kauf und die Anpflanzung neuer Bäume. Es gibt keine Satzung, über die die Bürger zur Kostenbeteiligung herangezogen werden können. Welche Bäume in Büppel gepflanzt werden, steht noch nicht fest.
18 Anlieger der Bürgermeister-Osterloh-Straße hatten Anfang 2007 beantragt, die Birken vor ihren Grundstücken zu fällen, weil sie große Mengen Pollen verstäubten, Unmengen von Blüten verstreuten, die Birkenwurzeln Bodenwellen im Radweg verursachten und die etwa 30 Jahre alten Bäume mittlerweile so groß seien, dass, wenn sie umkippen, die Häuser beschädigen könnten.
Der Straßen- und Verkehrsausschuss hatte den Antrag im Februar 2007 zunächst abgelehnt. Innerhalb der SPD änderten sich aber im Laufe der Zeit die Meinungen. Im April 2008 wurde das Thema erneut im Ausschuss aufgetischt und neuerlich abgestimmt. Jetzt stimmte die SPD für das Fällen der Bäume, ebenso ein Ratsherr der Grünen. Der Verwaltungsausschuss bestätigte die Ausschussempfehlung.
Durch die Unterschriftensammlung und den Antrag auf Erhalt der Birken kam das Thema nun erneut in den Ausschuss. Ursula und Wieland Golder zeigten sich am Dienstag enttäuscht ob der Entscheidung. Sie äußerten ihr Unverständnis, dass 18 Anlieger mehr zählten als 605 Bürger, die für den Erhalt der Bäume plädiert hatten.
Diskussion übers Baumfällen in Varel
Die Grundsatzdebatte zum Fällen von Bäumen, die die MMW-Fraktion beantragt hatte, brachte im Straßen- und Verkehrsausschuss kein Ergebnis. Bürgermeister Gerd-Christian Wagner unternahm dennoch den Versuch, die Diskussion auf einen Punkt zu bringen. „Jeder Baum hat einen Auftrag als Sauerstoffspender. Deshalb wird bei jedem Baum einzeln entschieden. Ist der Baum krank oder gefährdet er Leib und Leben, schreiten wir ein.“ Darüber hinaus gebe es gesetzliche Vorschriften durch Baumschutzsatzungen und Bebaungspläne. Manche Bäume an einer Straße stünden auch auf privaten Grund. Da könne die Stadt nicht ohne weiteres zur Säge greifen. Grundsätzlich vertrat Wagner die Meinung, dass die Stadt, wenn sie Bäume fällt, auch für Ersatz sorgen sollte.
Steffen Schwärmer (MMW) sieht im Pollenflug und in der Verschmutzung durch Laub keinen Grund, Bäume zu fällen. Der Bürgerwille allein dürfe nicht ausschlaggebend sein.
Alfred Müller (SPD) hält den Wunsch der Anlieger für ausschlaggebend. Er habe Verständnis für Bürger, die sich über die Pollen und den Dreck, den ein Baum verbreitet, ärgern. Beim Fällen komme es aber auch darauf an, um was für Bäume es sich handelt. Ein Kriterienkatalog sei nicht erforderlich. Die Stadt sollte im Einzelfall entscheiden.
Walter Langer (Grüne) bezeichnte einen Baumkatalog für wichtig, um damit dem subjektiven Empfinden eines Bürgers objektive Kriterien, wann ein Baum gefällt wird und wann nicht, entgegenstellen zu können.
Bernd Redeker (CDU) hält es für Zeitverschwendung, über jeden einzelnen Baum im Ausschuss zu entscheiden. Wenn ein Baum krank sei oder eine Gefahr darstelle, müsse er weg. Darüber sollte die Stadtverwaltung befinden.
Raimund Recksiedler (SPD) zitierte aus der GALK-Liste, die Anleitungen im Umgang mit Bäumen gibt. Seiner Ansicht nach geht die Stadt Varel beim Fällen von Bäumen behutsam vor. Birken sollten künftig in Varel nicht mehr angepflanzt werden.
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