Konservierte Körper als Kunstwerke

Wettbewerb Künstler lassen sich von „Körperwelten“ inspirieren – Sieger bezieht neue Medien ein


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Lässt sich inspirieren: Katharina Küpker studiert konzentriert den „Schachspieler“. Sie besucht in ihrer Freizeit Zeichenkurse an der Kunstschule Stuhr. BILD: Langkowski  Bild vergrößern

In kurzer Zeit interpretierten die Teilnehmer je ein Exponat ganz individuell. Bei den meisten war es „Liebe auf den ersten Blick“.

VON ILKA LANGKOWSKI

BREMEN - Rund dreieinhalb Stunden hatten die etwa 30 Künstler Zeit, um ein Exponat der Ausstellung „Körperwelten“ nach ihrer eigenen Interpretation zu entwerfen. Schalldämmende Wände und hell beleuchtete Vitrinen sorgten für einen ernsten und ruhigen Rahmen, während die Künstler ihre Objekte immer wieder scharf betrachteten.

Fortan können die schönsten 20 Werke bis zum Ende der Schau am 25. Mai im Foyer bewundert werden. Als die besten drei prämierte die Jury die Arbeiten von Thom Kolodziej (Fotomontage), Michael Rippl (Polaroid-Manipulation) und Anastasia Sokolov (Tuschezeichnung). Sieger Kolodziej freute sich über eine Reise nach Paris.

Der Gewinner hat ein Doppel-Selbstporträt mit einem Gehirn-Plastinat verfremdet. „Kolodziej schaffte es wunderbar, in seiner Arbeit Persönliches mit der Ausstellung und den Themen Leben, Tod und Beständigkeit zu verbinden“, sagte Jurorin Delia Nordhaus. Dabei habe er neue Medien miteinbezogen. Michael Rippl hat den Staffelläufer „Auge in Auge“ fotografiert und die Paste des Polaroidfotos während des Entwicklungsprozesses bearbeitet.

„Liebe auf den ersten Blick“ fesselte Annika Einolf an das Exponat „Leichtmatrose“, das einen Mast erklimmt. Jede Muskelfaser liegt wie ein offenes Buch vor dem Betrachter. „Ich bin positiv überrascht“, sagte die 17-jährige Hobby-Künstlerin. Die Körper seien lehrreich dargestellt. Katharina Küpker, ebenfalls 17 Jahre alt, arbeitete an den Gesichtsmuskeln des „Schachspielers“. Sie saß dem Spieler gegenüber, um die Ruhe, die sein „Gesicht“ ausstrahlte, einzufangen. Jurorin Nordhaus juckte es selbst in den Fingern: „Ich hatte in dieser Ausstellung sofort meine Lieblinge“, sagt sie und zeigte unter anderem auf die „Seiltänzerin“, die kraftstrotzend und stark, dabei aber trotzdem weiblich wirke. Und das völlig ohne „aufgesetzte Attribute“ wie schönes Haar oder tolle Schuhe.

Obwohl es sich bei den Plastinaten um Körper von echten Menschen handelt, wirken die Exponate wie Kunststoffpuppen. Sie zeigen ihr Inneres, aber bleiben als Person anonym. Nordhaus sieht in dieser Kunst des Konservierens eine Fortentwicklung alter Techniken wie die der Mumifizierung oder Konservierung in Formalin. „Das hier ist auch eine neue Begegnung mit dem Tod. In anderen Kulturen ist er oft viel näher bei den Menschen. In diesem Raum ist es ähnlich.“

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Nach dem Vergleich vor dem Bremer Verwaltungsgericht wird seit kurzem der „Schwebende Akt“ gezeigt. Besucher ab 16 Jahre können das Exponat eines Geschlechtsakts als dreidimensionales Hologramm in einem Extra-Raum sehen.




04.05.2010




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DO. 02.09.2010 - 19:11
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