Kampf unter Hochspannung

PROTEST Jahrelanger Einsatz zahlt sich aus – Eon in die Defensive gedrängt


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„Stromkabel gehören in die Erde“, fordert von Gerd von Seggern (Bild). BILD: BJÖRN LANGE Bild vergrößern

NACH ANSICHT VIELER GANDERKESEER HAT GERD VON SEGGERN VIEL ERREICHT. AUCH DANK SEINER ARBEIT SEI DAS „ERDKABELGESETZ“ ERLASSEN WORDEN.

VON BJÖRN LANGE

Meierhafe - Manche Menschen sprechen von ihren Träumen, andere lassen Taten sprechen. Zu letzteren gehört zweifelsfrei Gerd von Seggern, der in den vergangenen Jahren mit seinem großen Einsatz dazu beigetragen hat, dass die vom Energieriesen Eon geplante 380 kV-Leitung von Ganderkesee nach St. Hülfe im Bereich der Gemeinde Ganderkesee als Erdverkabelung und nicht als Freileitung gebaut wird.

„Dazu waren fast fünf Jahre und mehr als 10 000 Emails nötig“, sagte von Seggern, der 2004 auf ein Gehöft in Meierhafe zog, das in nur 100 Meter Entfernung zu einer 110 000 Volt-Freileitung liegt. Als er von den Eon-Plänen erfuhr, eine neue Leitung bauen zu wollen, die doppelt so hoch, doppelt so breit, 3,8 Mal so stark ist und nur noch 35 Meter vom eigenen Haus entfernt verläuft, ergriff er die Gegeninitiative und gründete die Arbeitsgruppe gegen Elektrosmog (AGE).

Da von der Gemeinde keine Hilfe gekommen sei, mobilisierte von Seggern zunächst Nachbarn und Kommunalpolitiker aller Parteien, dann zuständige Politiker des Landtags und schließlich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, bei dem er ein offenes Ohr gefunden habe. Entscheidend für den weiteren Erfolg sei sein Besuch im Niedersächsischen Landtag auf Einladung Wulffs im Januar 2007 gewesen, bei dem er Wulff und andere Politiker von seinen Bestrebungen habe überzeugen können.

Nach weiteren Monaten, die von Seggern als Stillstand empfand, habe Wulff Ende 2007 mit der Schaffung des „Erdkabelgesetzes“ seinen Joker vor den anstehenden Landtagswahlen gezogen. Damit habe Wulff Tausende niedersächsische Wähler auf seine Seite gebracht, die sich in der Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung“ organisieren und sich gegen Gesundheitsgefährdungen sowie gegen eine Landschaftsverschandelung durch Freileitungen und für den Naturschutz einsetzen würden.

Von Seggern hatte der Politik zuvor damit gedroht, Reporter von „Skandalsendungen“ einzuladen, die ihr Interesse bekundet hätten.

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Einen erneuten Rückschlag hatte der Mann aus Meierhafe im Mai dieses Jahres abzuwehren. Auf Bestreben von Wirtschaftsminister Glos und des hessischen Ministerpräsidenten Koch habe die Bundesregierung das „Energieleitungsausbaugesetz“ (ENLAG) auf den Weg bringen wollen, so von Seggern. Damit sei zu befürchten gewesen, dass der Bund das von Wulff geschaffene „Erdkabelgesetz“ noch kippen könnte. Von Seggern kämpfte weiter – mit Erfolg.

„Wenn ich Mensch des Jahres werde und 500 Euro gewinne, würde ich das Geld in ein passendes Therapie-Pferd für die Behindertenarbeit stecken“, versprach der Sprecher der Arbeitsgruppe gegen Elektrosmog.


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20.11.2008
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