Schwerer Unfall zum Glück nur gespielt
ÜBUNG Feuerwehren, Sanitätsdienste und Technisches Hilfswerk „retten“ Sonnabendnacht 29 Menschen
Feuerwehr und Rettungskräfte kümmerten sich gemeinsam um die fünf Schwerverletzten in dem total verbeulten Mittelklassewagen. Übungen wie diese sollen alle Beteiligten besser auf den Ernstfall vorbereiten.

VON WERNER FADEMRECHT
Wardenburg/Huntlosen - „Ich brauche noch etwas frisches Blut“, sagt die junge Frau mit einer großen Platzwunde im Gesicht. Claudia Schmithals lässt sich nicht lange bitten. Die Johanniterin greift zu einer Spritze und lässt gezielt eine dunkelrote Flüssigkeit über das Gesicht ihres Gegenübers laufen. „Realistische Unfalldarstellung“ steht auf der Jacke der Oldenburgerin. Gemeinsam mit Kollegen des Malteser Hilfsdienstes aus Wilhelmshaven sorgt sie dafür, dass im Landkreis in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag eine der größten Rettungsübungen der vergangenen Jahre täuschend echt abläuft.
Das Szenario, das federführend der Wardenburger Feuerwehrmann Adrian Taubert und Bahnmitarbeiter Thomas Ötting ausgearbeitet haben, sieht so aus: Ein mit fünf jungen Frauen besetzter Wagen ist beim Überqueren eines nur teilweise beschrankten Bahnübergangs zwischen Huntlosen und Wardenburg von einem Zug gerammt und eine Böschung hinunter geschleudert worden. Alle fünf Frauen sind schwer verletzt, im Zug, der erst nach einem mehrere hundert Meter langen Bremsweg zum Stehen kommt, haben 29 Passagiere Verletzungen erlitten. Ein Sonderzug der Nordwest-Bahn mit vielen Statisten an Bord steht in der Dunkelheit auf dem einzigen Gleis schon bereit, als um 1.17 Uhr der Alarm für die ahnungslosen Rettungskräfte ausgelöst wird. In den Feuerwehrhäusern gehen die Sirenen an, wenige Minuten rücken die ersten Wagen aus. Der Wardenburger Einsatzleitwagen ist als erstes am Unfallort, stellvertretender Ortsbrandmeister Stefan Buschmann übernimmt die Einsatzleitung. Etwa 250 Einsatzkräfte werden in
dieser Nacht noch folgen. In kurzer Folge rasen Feuerwehren aus Sandkrug, Huntlosen, Achternmeer und Littel herbei. Rettungswagen der Malteser und Johanniter kommen, das THW baut eine Brücke, damit die Helfer trockenen Fußes über die Lammer und zu den Menschen im Zug gelangen.
Vieles klappt gut in dieser Nacht, aber es gibt auch Pannen. Ein dunkler Kindersitz nahe der Gleise wird viel zu spät bemerkt. Bei dem kleinen Körper, der unbemerkt von den Helfern in einem Busch liegt, handelt es sich zum Glück nur um eine Puppe.
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