Ein Kosmos voller Peinlichkeiten
KUNST Die Autoren Anne Weiss und Stefan Bonner lesen aus „Generation Doof“
Autogrammstunde: Nach ihrer Lesung kamen die Autoren Anne Weiss und Stefan Bonner vielen Zuhörern dem Wunsch nach einer Unterschrift nach. BILD: ULRICH SCHLÜTER 
VON ULRICH SCHLÜTER
Nordenham - Wie der Bundestag und von wem das Parlament bestuhlt wird, muss ein Mitglied der „Generation Doof“ sicherlich nicht wissen. Dass der Vatikan ein unabhängiger Stadtstaat ist und in Italien liegt, hingegen schon eher. Glaubt man den Besteller-Autoren Anne Weiss und Stefan Bonner, scheint dieses Wissen vielen der Altersgruppe der 15- bis 45-Jährigen jedoch abhanden gekommen zu sein.
Die Blödheit hat viele Facetten. „Man kann nicht alles wissen“, schränkte Stefan Bonner bei der Lesung in der Buchhandlung von Bestenbostel am Dienstagabend dann auch gleich ein. Über ein gewisses Maß an fundiertem Grundwissen sollte ein Mensch allerdings verfügen, wenn er sich anschickt, nach Schule oder Studium die Welt aus den Angeln heben zu wollen.
Rund 80 Zuhörer in der voll besetzten Buchhandlung begleiteten die Autoren bei ihrem Streifzug durch einen Kosmos voller absurder Peinlichkeiten. Die Autoren gaben sich alle Mühe, ihre Darstellung über eine Generation von dummen und halbwissenden Menschen als repräsentative Bestandsaufnahme ins Licht zu rücken. Doch der stellenweise unterhaltsamen, viel öfter aber oberflächlichen Zurschaustellung eines Teils der Gesellschaft gelang das nur begrenzt.
Über weite Strecken der Lesung reihten Anne Weiss und Stefan Bonner lustige Anekdoten über Einzelschicksale aneinander. Hin und wieder stellte sich indes die Frage, ob ein Mensch tatsächlich so blöd sein kann, wie die Autoren ihn darstellten. Da fragte nach den Worten von Stefan Bonner beispielsweise jemand nach der Harald-Schmidt-Straße. Er wolle sich dort vorstellen. „Sie meinen sicherlich die Helmut-Schmidt-Straße“, wurde dem Ahnungslosen geantwortet und auch der Weg dorthin gezeigt. Um welche Firma es sich denn handelt, wollten die Autoren von ihm erfahren. Das wisse er nicht, sagte der Unkundige. Er sollte nur in die Harald-Schmidt-Straße kommen.
Diese Anekdote wirkte wie ein verirrter Irrläufer. Im weiteren Verlauf der Buchpräsentation gaben Anne Weiss und Stefan Bonner mehrere Kalauer über die Unzulänglichkeiten der „Generation Doof“ zum besten, zu der sie sich selbst zählen.
Sie haben für ihr Buch mit Personalchefs, Lehrern, Studenten und anderen Probanden gesprochen, um das Generationsphänomen zu ergründen. Bei ihren Recherchen stürzten sie sich auch auf Sendungen wie Gute Zeiten/Schlechte Zeiten, Deutschland sucht den Superstar mit Dieter Bohlen, Germany’s next Topmodel mit Heidi Klum und die PISA-Blamage. Wer eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema erhofft hatte, wurde an diesem Abend enttäuscht. Was geboten wurde, war eine Abrechnung mit der so genannten Spaßgesellschaft, in der alle Wünsche erfüllbar sind. Schuld an der kollektiven Geistestalfahrt ist laut Anne Weiss und Stefan Bonner vor allem das Fernsehen, das die Menschheit verblöden lässt. Gute und lehrreiche Sendungen seien selten geworden.
Um Lässigkeit bemüht, spielten sich die Autoren immer wieder die witzigen Schoten zu, was zuweilen doch etwas holprig anmutete. Bis zu ihrer nächsten Tour durch die Bundesrepublik werden sie an ihrem Programm feilen können. Sie schreiben zurzeit an ihrem zweiten Buch über die „Generation Doof“. 15 Lesungen mit einem Begleitprogramm sind geplant. Fazit des Abends: Alle Menschen sind irgendwie doof, die Autoren sind doof und die 15- bis 45-Jährigen sowieso.
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