Gurkenhobel und sabbernde Spürhunde
LESUNG Auswanderin Anja Schmidt-Giese berichtet über ihren Alltag in Australien – 80 Besucher
Anja Schmidt-Giese und ihre Schwiegermutter Elena Schmidt freuten sich über die große Interesse an der Lesung. BILD: JENS MILDE 
VON JENS MILDE
Nordenham - Zu den Wörtern, die Australier gerne benutzen, wenn sie einem Deutschen begegnen, gehört der Begriff „Gurkenhobel“. In der Regel präsentieren sie das Wort mit stolzgeschwellter Brust, nicht wissend, was es bedeuten könnte, aber in der festen Überzeugung, dass es im deutschen Sprachgebrauch eine wichtige Rolle spielt. Anja Schmidt-Giese hat das Wort „Gurkenhobel“ noch nie benutzt. Genausowenig wie „Scheißenhausen“, das zu den beliebtesten Schimpfwörtern auf dem Fünften Kontinent gehört. „Ungefähr jeder Australier kennt es, während weder ich noch irgendein anderer Deutscher, den ich gefragt habe, dieses Wort je außerhalb Australiens gehört oder benutzt hat.“
Großes Interesse
Seit dreieinhalb Jahren lebt Anja Schmidt-Giese mit ihrem Mann Peter, der aus Nordenham stammt, in Melbourne an der Südküste Australiens. Am Donnerstagabend las sie in den Weserterrassen aus ihrem Buch „Possum vor dem Fenster – Abenteuer Alltag in Australien“. Die Lesung hatte ihre Schwiegermutter Elena Schmit organisiert. Und das Interesse war so groß, dass die Servicekräfte viele zusätzliche Stühle ins Kaminzimmer der Gaststätte schleppen mussten, damit alle rund 80 Besucher einen Platz fanden.
Die Gäste erlebten humorvolle Episoden aus dem Alltag der Autorin. Im Januar 2006 zog das Ehepaar nach Australien, weil Peter Schmidt eine Stelle in der Herz-Kreislauf-Forschung an der Monash-University in Melbourne annahm. „Wir hatten keine Ahnung, worauf wir uns einließen“, erinnert sich Anja- Schmidt-Giese.
Staubsauger verschwunden
Die Biologin berichtete von den strengen Einfuhrbestimmungen in Australien. Der Grünkohl mit Kasseler, Speck und Pinkel und die leckere Salami von zu Hause hätten Australien nie erreicht, dafür aber wohl manch einen Spürhund zum Sabbern gebracht. Selbst Dreck unter den Schuhen werde nicht gern gesehen. „Dagegen scheint es wie ein Wunder, dass fast alle unsere Habseligkeiten aus dem Möbel-Container uns erreicht haben – alle, bis auf den Staubsauger.“ Anja Schmidt-Giese berichtete von anderen deutschen Einwanderern, die erzählt haben, dass selbst ein Kirschkernkissen die Einreise nicht schaffte. „Das Kissen schon, die Kerne wurde jedoch herausgeschnitten.“
Die Autorin erzählte vom oft unbeständigen Wetter in Australien, „wo man vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann.“ Köstlich waren auch die Passagen über Kommunikationsprobleme im Baumarkt, über typisch australische Barbecues und über die Jobsuche. Anja Schmidt-Giese hatte sich auf ein 15-minütiges Vorstellungsgespräch eingestellt. Daraus wurde aber ein zweitägiger Frage-Antwort-Marathon mit allerlei skurrilen Tests. Die Deutsche bekam jedenfalls den Eindruck, dass hier ein durchschnittlicher Raketenwissenschaftler gesucht wird.
Angesichts des bunten Völkergemisch’ wunderte sich Anja Schmidt-Giese über den ausgeprägten Nationalstolz, der bisweilen recht wilde Blüten treibt. So finden sich Werbeplakate, die dazu aufrufen, ausschließlich australische Produkte zu kaufen: „Buy your kid a job, buy Australian only“. „Man stelle sich ein Plakat am Hamburger Hauptbahnhof vor mit der Aufforderung: „Kauft euren Kindern einen Job, kauft nur bei Deutschen.“
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