„Diese Frau ist nicht zu begreifen“

LITERATUR Schriftsteller veröffentlicht Sachbuch und Comic über die Giftmörderin Gesche Gottfried


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Doppelte Buchpräsentation im Bremer Geschichtenhaus mit Peer Meter und Barbara Yelin. BILD: ESSER  Bild vergrößern

PEER METER BESCHÄFTIGT SICH SEIT MEHR ALS 20 JAHREN MIT DEM „ENGEL VON BREMEN“. VOR RUND 180 JAHREN WURDE DIE BREMERIN WEGEN 15-FACHEN MORDES HINGERICHTET.

VON JÖRG ESSER

Bremen - Gesche Gottfried bewegt die Massen. Auch rund 180 Jahre nach der öffentlichen Hinrichtung der 15-fachen Giftmörderin am 21. April 1831 auf dem Domshof bezieht deren Geschichte ihre Faszination aus der Unerklärbarkeit der Taten. „Es gibt kein Motiv“, sagt der Autor Peer Meter, „die Frau ist nicht zu begreifen.“

Der in Bremen geborene Schriftsteller beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit dem „Engel von Bremen“. Er hat Gesches „für Nicht-Historiker eigentlich unlesbare“ Verhörakten gelesen. Und sich erneut in die Geschichte vertieft. Daraus entstanden ist ein Sachbuch, das das Porträt der Giftmörderin als psychisch kranke Frau herausarbeitet. „Gesche Gottfried – Eine Bremer Tragödie“ beleuchtet zugleich den gesellschaftlichen Kontext und die Mitverantwortung der bremischen Gesellschaft.

Gemeinsam mit der Zeichnerin Barbara Yelin hat Meter zudem eine „Graphic Novel“ herausgebracht, einen Comic für Erwachsene. „Gift“ beleuchtet die Mordserie aus dem Blickwinkel einer Schriftstellerin, die just am Tag vor Gesches Hinrichtung in der Hansestadt eintrifft. Am Donnerstag gab’s somit eine doppelte Buchpräsentation im Bremer Geschichtenhaus.

Zurück ins 19. Jahrhundert: Gesche Gottfried bringt vom 1. Oktober 1813 bis zum 24. Juli 1827 insgesamt 15 Menschen unter die Erde, darunter sind Ehemänner, Kinder, die Eltern und ein Bruder. Sie vergiftet ihre Opfer jeweils mit „Mäusebutter“ – Fett, das mit Arsen versetzt aufs Brot geschmiert wird. Sie verteilt kleine Dosen vom tödlichen Gift, so dass Verwandte und Freunde langsam dahinsiechen. Um die Sterbenden kümmert sich Gesche rührend. Ihr vermeintlich schweres Schicksal rührt die Bremer. Doch als ihr Vermieter eines Tages in einem Schinken kleine weiße Körner findet, fliegt der Schwindel auf.

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06.03.2010
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