Aus Unrecht der Vergangenheit lernen

ZUG DER ERINNERUNG Rollende Ausstellung über Kinder-Deportationnen macht in Delmenhorst Station


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Dokumente aus der Region findet man im hinteren Teil der Ausstellung. Im Bild Weihbischof Heinrich Timmerevers und Oberbürgermeister Patrick de La Lanne.  Bild vergrößern

SCHON ÜBER HUNDERT BAHNHÖFE HAT DER „ZUG DER ERINNERUNG“ ANGESTEUERT. NOCH BIS MITTWOCH MACHT ER IN DELMENHORST STATION.

VON WOLFGANG BEDNARZ

Delmenhorst - besichtigung täglich von 9 bis 18 Uhr

Die Opfer, die Täter, und eine weitere Abteilung „gegen das Verdrängen und Vergessen“: so ist die rollende Ausstellung im „Zug der Erinnerung“ unterteilt. Von 9 bis 18 Uhr kann sie täglich besichtigt werden; der Eintritt ist frei.

Einzelpersonen oder Gruppen bis fünf Personen können sich ohne Anmeldung und soweit Platz ist, den größeren Gruppen anschließen. Sie können auch die für die Öffentlichkeit reservierten Zeiten an diesem Dienstag und Mittwoch jeweils von 17 bis 18 Uhr nutzen.

Schon über hundert Bahnhöfe hat der „Zug der Erinnerung“ angesteuert. Noch bis Mittwoch macht er in Delmenhorst Station.

von wolfgang bednarz

Delmenhorst 26 Kinder aus Delmenhorst und Umgebung, das ist verbürgt, fanden in Vernichtungslagern den Tod. Das sagt Elisabeth Dartmann, Leiterin des Anfang 2009 angelaufenen zweijährigen Anti-Rechtsradikalismus-Projekts „Würdenträger – weil jeder Mensch Würde trägt“ der katholischen Kirche im Oldenburger Land. Hunderttausende Kinder und Jugendliche waren es zwischen 1940 und 1944 im „Großdeutschen Reich“. Die Opfer tragen Namen, zum Beispiel Melanie und Bernhard König. Der Zweijährige und die Fünfjährige waren Kinder polnischer Juden. Vater Josef war Kaufmann in Delmenhorst. Nazis ermordeten erst den Vater, dann den Rest der Familie im Ghetto Minsk.

In über 100 Bahnhöfen

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„Der Zug war in zwei Jahren in über hundert Bahnhöfen“, sagt Ute Schilde vom Trägerverein „Zug der Erinnerung“, „und wir finden in jeder Stadt neue Namen. Jede Stadt hat Opfer zu beklagen.“ Im Rahmen des „Würdenträger“-Projekts hat das Bischöflische Offizialat Vechta den „Zug der Erinnerung“ ins Oldenburger Land geholt. Projektpartner fand die katholische Kirche in den Städten Delmenhorst, Oldenburg, Wilhelmshaven und Vechta.

Es ist ein erschütterndes Kapitel aus der deutschen Vergangenheit, mit dem man sich noch bis Mittwoch in Delmenhorst auseinandersetzen kann. Am Montag traf auf dem Bahnhof der von einer restaurierten rumänischen Dampflok gezogene „Zug der Erinnerung“ ein – eine rollende Ausstellung, die an eine der grausamsten Taten der Menschheitsgeschichte erinnert. Auf Fotos sieht man sie: Lachende, spielende, quicklebendige Kinder. Daneben schriftliche Dokumente ihrer Demütigung und ihres Todes. „Schauen wir in die Augen der Kinder von damals, begreifen wir unseren Auftrag heute“, sagte Elisabeth Dartmann bei der Eröffnung der Ausstellung am Montagmorgen aus dem Bahnsteig von Gleis 1.

Aus dem Unrecht lernen

„Das Mindeste was wir heute tun können ist, dass wir ihre Geschichte erzählen,“ sagte der Vechtaer Weihbischof Heinrich Timmerevers. „Es ist unsere Pflicht, aus dem Unrecht der Vergangenheit zu lernen und jedem entgegenzutreten, der die Würde des Menschen mit Füßen tritt.“ Oberbürgermeister Patrick de La Lanne verwies auf die bürgerschaftliche Geschlossenheit der Stadt: „Hier in Delmenhorst sind wir, was den Kampf gegen den Rechtsextremismus angeht, gemeinsam vereint.“ Allerdings, auch das sagte de La Lanne, seien 900 Stimmen für die Rechten bei der Bundestagswahl eine immer noch alarmierend hohe Zahl.

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20.10.2009
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