Geisterbusse auf der Anzeigetafel
NAHVERKEHR Auf die dynamische Fahrgastinformation ist kein Verlass – Fehlerquote bei zehn Prozent
Glücksspiel: Kommt der Bus, oder kommt er nicht? Auf die Anzeigetafeln ist kein Verlass. BILD: THOMAS HUSMANN 
VON THOMAS HUSMANN
OLDENBURG - Die Fahrt zum Arbeitsplatz als Roulette-Spiel, kommt der Bus oder kommt er nicht? Diese Frage stellt sich täglich, wenn Heidi Kirmes am ZOB steht und auf den Bus Richtung Bürgerfelde wartet.
„Auf die Anzeigetafeln kann man sich jedenfalls nicht verlassen“, weiß die 39 Jahre alte pädagogische Fachkraft, die täglich mit der Nordwestbahn von Huntlosen nach Oldenburg pendelt und da schon schwer mit Verspätungen und überfüllten Zügen zu kämpfen hat. Den ZOB bezeichnet Heidi Kirmes als Bermuda-Dreieck. „Die angezeigten Busse existieren überhaupt nicht“, vermutet sie. Oft hat die Frau erlebt, dass der gewünschte Bus laut Anzeige in zwei Minuten kommen soll, dann sofort – und schließlich von der Tafel verschwindet, ohne vorgefahren zu sein.
„Uns ist das Problem bekannt, wir arbeiten seit Jahren an einer Lösung“, bestätigt VWG-Sprecher Morell Predoehl. So richtig funktioniert habe die „dynamische Fahrgastinformation“ noch nie. „Mal besser, mal schlechter. Zurzeit liegt die Fehlerquote bei zehn Prozent“, meint er.
Das Problem steckt im Computersystem. Die Busse melden automatisch per Funk ihre jeweilige Position an den Rechner. Der gleicht die Daten ab – und kommt häufig zum falschen Ergebnis. „Am Hauptbahnhof herrscht großer Funkbetrieb, auch das ist ein Problem“, sagt Predoehl. Manchmal erkenne das Computerprogramm nicht, in welche Richtung der Bus den ZOB verlasse. Das Ergebnis ist bekannt, auf die elektronischen Anzeigen am ZOB und an der Haltestelle Bahnhof-Süd ist kein Verlass. Im übrigen gilt das auch für die Weser-Ems-Busse und Linien des Busunternehmens Imken.
Predoehl setzt auf das nächste Jahr, wenn am Lappan eine neue dynamische Fahrgastinformation installiert wird. Geprüft werde, ob dann in einem Arbeitsgang auch das Computersystem am ZOB ausgetauscht wird.
Den Fahrgästen empfiehlt der VWG-Sprecher, die Pläne an den Haltestellen zu studieren, auf die man sich im Zweifel besser verlassen kann. Predoehl: „Die Situation ist unbefriedigend, wir haben mit unserem Partner über Jahre versucht, das Problem in den Griff zu bekommen – ohne Erfolg. Ratsam ist es auch, einen Bus zu besteigen, der annähernd in die gewünschte Richtung fährt. Das spart Zeit, Geld (fürs Taxi) und Nerven, wissen VWG-Stammkunden. „Das Unternehmen überlegt, das System komplett abzuschalten. Doch 90 Prozent der Informationen sind immerhin richtig“, sagt Predoehl. Für Montag und Dienstag kündigte er Qualitätskontrollen an. Vielleicht fährt der Bus von Heidi Kirmes dann endlich mal pünktlich ab.
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