Dinosaurier mit Stromanschluss
TECHNIK Homecomputer-Museum in Oldenburg eröffnet – 70 uralte Rechner
VON KLAUS FRICKEUND KATHARINA KUNEFKE
Oldenburg - Sie sind leiser geworden, aber irgendwie summen sie immer noch, die freundlichen Helfer in Büro und Arbeitszimmer, die Blechtrottel aus der ersten Reihe, die Wissensgenies – die Computer. Doch, doch, auch dieses Spitzenprodukt der Hochtechnologie, das heutzutage in jedem Haushalt, vor jedem Bankschalter und an jeder Supermarktkasse zu finden ist, hat Vorfahren gehabt. Commodore C 64, Amiga A1200, Atari 800 XL, Schneider CPC 6128 und was sie sonst noch an abenteuerlichen Namen zu bieten hatten, gelten als längst verschollene Dinosaurier des Computerzeitalters – und sind doch gerade einmal 30 Jahre alt.
Ein Oldenburger sorgt seit diesem Montag dafür, dass die ausgestorbene Spezies der elektronischen Datenverarbeiter (gern auch als Spielzeug benutzt) überleben können. Thiemo Eddiks (35) hat in der Neuen Straße 2 Deutschlands erstes Homecomputer-Museum eröffnet. Rund 70 funktionsfähige Computer (Baujahr 1977 bis 1995 und damit in der Regel Windows-unfähig), dazu Spiele und Peripherie-Geräte umfasst seine private Sammlung, die bisher nur in Einzelteilen bei Sammlertreffen oder Firmenveranstaltungen gezeigt worden sind.
Die Adresse Neue Straße 2 dürfte allerdings nicht die letzte sein. „Um die Sammlung einem großen Publikum zur Verfügung stellen zu können, suche ich in Oldenburg nach Ausstellungsmöglichkeiten für das Museum. Ebenso suche ich Menschen, die mit mir dieses Museum zu einer festen kulturellen Einrichtung in Oldenburg aufbauen möchten“, erklärt Eddiks, Spezialist für 3D-Computergrafik und -animation.
Die Idee für das Museum trägt er schon lange mit sich herum, im Februar 2007 stellte Thiemo Eddiks sie erstmals in der NWZ vor. Zu diesem Zeitpunkt war der Computerfachmann, der 1979/ 1980 als Siebenjähriger erstmals Kontakte zu einem Rechner bekommen hatte, in die Vergangenheit der Maschinen bereits vernarrt. Seit 1999 habe er auf Flohmärkten oder im Internet versucht, die Hardware aus den Kinder- und Jugendtagen des Computers zu finden bzw., wie Eddiks sagt, die „mein Leben begleitenden Kisten wiederzubekommen“ – mit gutem Erfolg, wie die Öffentlichkeit nun in dem kleinen Museum erkennen wird.
Wobei das Homecomputer-Museum mit üblichen Museen eines nicht gemein hat: Bei Thiemo Eddiks darf ausprobiert (und damit in alten Zeiten geschwelgt) werden, solange der Besucher Lust hat. Es wird mächtig summen in der Neuen Straße 2.
Das Homecomputer-Museum ist montags bis freitags von 17 bis 21 Uhr geöffnet.
Mehr Infos unter www.eddiks.de
und unter www.computermuseum-oldenburg.de
Bestellen Sie hier ein dreiwöchiges Probeabo der NWZ für 6 Euro.
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