Olga Steckers Kampf um Arbeitsplatz erfolgreich

WIRTSCHAFT Reinigungskraft wegen Hüft-OP entlassen – Gewerkschaft mobilisiert Uni-Öffentlichkeit


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Froh: Olga Stecker hat wieder Arbeit.  Bild vergrößern

Oldenburg - Seit 17 Jahren putzt Olga Stecker die Universität Oldenburg – für wechselnde Arbeitgeber und ohne jede Fehlzeit wegen Krankheit. Der 47-Jährigen macht die Arbeit Spaß – doch nun sollte alles vorbei sein. Im November musste sie nach langer Leidenszeit eine Hüft-OP machen lassen. Die Folge war eine mehrmonatige Arbeitsunfähigkeit. Ihr Arbeitgeber reagierte hart: Er verlängerte den Ende November auslaufenden Arbeitsvertrag nicht. Seit knapp eineinhalb Jahren hatte Olga Stecker, die seit 17 Jahren die gleiche Arbeit macht, nur befristete Verträge in Folge bekommen.

Rechtlich war das in Ordnung, denn befristete Verträge dürfen ohne Angaben gekündigt werden. Olga Stecker aber fand es ungerecht, nach so langer Zeit ohne Krankheit und Beanstandungen plötzlich auf der Straße zu stehen und wandte sich an die Industriegewerkschaft Bau. Der Oldenburger Gewerkschaftssekretär Siegfried Reichmann setzte alle Hebel in Bewegung, schrieb ihrem Arbeitgeber, der Gebäudereinigungsfirma Weichelt in Idstein im Taunus, sprach mit der Universität und informierte die Presse. An der Uni schlug der Fall Wellen: 2500 Menschen, Studierende wie Beschäftigte, solidarisierten sich mit Stecker.

Eine Zeitlang tat sich nichts. Doch auf Anfrage der NWZ gab es am Mittwochabend so etwas wie eine schöne Weihnachtsüberraschung. Günter Weichelt, Senior-Chef des Unternehmens, das in Deutschland etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt und seit August 2007 auch den Auftrag für die Reinigung der Universität Oldenburg an den Standorten Uhlhornsweg und Wechloy mit etwa 60 Mitarbeitern erledigt, hatte eine gute Nachricht für die Oldenburgerin. Weichelt: „Olga Stecker wird weiterbeschäftigt.“

Der Unternehmer sagte, er habe sich, wie er sagte, „erstmal gesperrt“, zum einen, weil ihm der „ungehörige Ton“ der Gewerkschaft nicht gefallen habe und es überdies unflätige Bedrohungen gegeben habe, zum anderen, weil er den Sachverhalt erst habe prüfen müssen. Manchmal würden Krankheiten von Mitarbeitern auch nur vorgetäuscht, im Falle der 47-Jährigen sei das aber eindeutig nicht der Fall gewesen. Wenn sie im Januar wieder genesen sei, könne sie die Arbeit wieder aufnehmen.

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Für die IG Bau zeige der Erfolg, „dass selbst wenn aus arbeitsrechtlicher Sicht nichts mehr möglich ist, man durch Solidarität viel erreichen kann“, sagte IG-Bau-Sekretär Siegfried Reichmann am Donnerstag. Gero Lüers vom Bezirk Weser-Ems sagte, dass bei Weichelt wie bei anderen Firmen des Gewerbes mit befristeten Verträgen Angst geschürt werde. Dagegen werde man weiter vorgehen. „Wie das wirkt, sieht man an Olga Stecker“, sagte Lüers. „Sie wartete mit ihrer Hüft-OP, bis es wirklich nicht mehr ging.“ Zuletzt habe sie nur noch mit Hilfe ihrer Kolleginnen ihre Arbeit verrichten können. „Wie sie behandelt wurde, zeigt, dass ihre Ängste berechtigt waren.“


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19.12.2008
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