Melancholiker erzeugt Heiterkeit
EXPERIMENT Kulturetage vereint im „Filmerzähler“ Theater und Kino
Kinowelten prallen aufeinander: Ulf Goerges (links) und Wolfgang Bruch im „Filmerzähler“. BILD: JÖRG HEMMEN 
VON KLAUS FRICKE
Oldenburg - Die Stimme der Stummen heißt Heinz. Heinz Rummel, um genau zu sein. Ein Name wie ein Donnerwetter im Sommer. Oder wie ein um die Ecke zischender Trecker. Auf jeden Fall ein Name, der Bilder erzeugt. Was Wunder also, dass Heinz Rummel einen ganz besonderen Beruf hat. Er ist Filmerzähler. Heinz Rummel erzählt, interpretiert und philosophiert über Stummfilme. Live und unmittelbar während der Vorführung.
Natürlich gibt es Filmerzähler nicht (mehr), die Filme haben längst das Sprechen gelernt. Aber auf dem Theater, da kann diese schöne und kulturell anspruchsvolle Aufgabe noch erledigt werden, weshalb das Theater k der Kulturetage derzeit mit mächtigem Erfolg den „Filmerzähler“ von Regisseur Mark Spitzauer aufführt – passenderweise im Cine k, dem 50-Plätze-Kino in der Kulturetage.
Das Stück ist möglicherweise das erste Stück Kinotheater/Theaterkino weltweit, auf jeden Fall ist es eine Idee, die Autor Spitzauer seit vielen Jahren im Hinterkopf bewegt. „Als in der Kulturetage das Theater und das Kino installiert wurden, da wurde alles konkreter und musste schließlich raus.“
„Der Filmerzähler“ ist, so lustig und melancholisch, satirisch und bewegend er auch sein mag, in erster Linie eine Liebeserklärung an die bewegten Bilder, eine poesievolle Verbeugung vor den Filmregisseuren, deren Kunst noch viel mit Theater zu tun hatte.
Und man vergesse nicht Heinz Rummel. Der wird zwar als Kinoangestellter bezahlt, ist aber in seinen langen Monologen viel mehr Theatermann. Ulf Goerges spielt die Rolle des einsamen Filmerzählers in beeindruckender Manier, sein Solo wird nur im zweiten Akt zum Duo, wenn sich Filmvorführer Mike (gespielt von Wolfgang Bruch) zu ihm gesellt und quasi die moderne Kinowelt der Cineplexe repräsentiert.
Am Wochenende 13./14. Februar verabschiedet sich „Der Filmerzähler“ zunächst von Oldenburg, er wird aber im Herbst zurückkehren. Die Zuschauer haben Heinz Rummel ja in Herz geschlossen. Fröhliche Melancholie siegt.
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