Weltenbummlerin in Sachen Multi-Kulti

LEBENSWEG Oldenburgerin Nina Amin Abayazid sucht als Journalistin das Verbindende in der Welt


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Hat viel von der Welt gesehen: Die in Oldenburg geborene Journalistin Nina Amin Abayazid. BILD: MARTINA SCHEFFLER Bild vergrößern

ZURZEIT LEBT DIE RUNDFUNKREDAKTEURIN IN BERLIN. ZUVOR WAR IHR ZUHAUSE U.A. IN KAIRO, LONDON UND MAROKKO.

VON MARTINA SCHEFFLER

Oldenburg/berlin - Kopftücher machen ihr keine Angst. Sie fürchtet sich nicht vor dem Fremden, im Gegenteil – sie will es denen, die Angst davor haben, näher bringen. „Ich will eine Brückenbauerin sein“, sagt Nina Amin Abayazid.

Die Redakteurin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ist gebürtige Oldenburgerin, hat einen ägyptischen Vater, einen italienischen Mann, lebte in Paris, Kairo und London und jetzt in Berlin-Kreuzberg. Integration, Migration – das sind ihre Themen, nicht nur, aber vor allem. Bis vor kurzem arbeitete sie für die „älteste Integrationswelle in Deutschland“, die Ende vergangenen Jahres eingestellte RBB-Hörfunkwelle Radio Multikulti. Dort liefen Sendungen in den verschiedensten Sprachen: in Griechisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch, Italienisch – wie gemacht für eine Stadt wie Berlin. „Meist sind die Integrationsthemen ja problembesetzt“, bedauert Amin Abayazid, „bei Multikulti guckte man auch mal, wie sieht eigentlich der Alltag aus.“

Migration als Geschenk

So wie dieser Montagmorgen etwa. Sie sitzt im Schöneberger Teesalon „Tee Tea The“. 200 Sorten Tee gibt es hier, von allen Kontinenten, mit exotischsten Aromen. Vielfalt als Bereicherung, das gelte in jeder Hinsicht, findet die junge Journalistin. „In Kreuzberg gibt es Schulen, an denen 90 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben. Das sollte man auch mal als Geschenk sehen, nicht nur als Problem.“

Bei Radio Multikulti haben sie genau das gemacht, die Redakteure waren als Experten gefragt. Doch der RBB muss sparen. Nach vielen Protesten wurde die Welle Ende 2008 eingestellt, „ausgerechnet die prestigeträchtigste, um die uns viele beneidet haben“, bedauert Amin Abayazid.

Jetzt im Kulturradio

Sie konnte beim RBB bleiben, arbeitet für das Kulturradio und auch für den Nachfolger auf der Frequenz von Multikulti, das Funkhaus Europa. Der multikulturelle Gedanke soll nun in die anderen Wellen getragen werden. Das könnte auch seine Vorteile haben, meint die junge Frau, denn die Leute, die einst Multikulti hörten, wären mit diesem Gedanken ohnehin vertraut, auf anderen Wellen dagegen könnte man auch jene Hörer erreichen, die eine andere Sicht hätten. „Und ich lebe das auch so“, bekräftigt Amin Abayazid, „ich will das auch im Mainstreamradio hören und positive Einblicke in die communities geben.“

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Diesen Einblick hat sie selbst oft gesucht. Nach dem Abitur zog es sie nach Frankreich, dann für ein Jahr nach Ägypten, die Heimat ihres Vaters. In Kairo lernte sie Arabisch, anschließend studierte sie in Berlin Ethnologie und Islamwissenschaft. Jedes Jahr war sie mehrere Monate auf Reisen in Ägypten, Arabien, Marokko, absolvierte Praktika beim ZDF, bei Arte. Das letzte halbe Jahr des Studiums verbrachte sie in London, wo sie an der London School of Oriental and African Studies ihren Master machte. Zwei Jahre arbeitete sie anschließend in der britischen Hauptstadt, die „richtig kosmopolitisch“ sei, ganz anders als Berlin Ende der 90er Jahre.

Von London nach Berlin

Dennoch ging sie 2000 mit ihrem Mann, den sie in London kennengelernt hatte, und ihrem Sohn zurück nach Berlin. Heute sind ihre Kenntnisse und Erfahrungen in allen ARD-Anstalten gefragt. Über eine große Demonstration von Palästinensern in Berlin produzierte sie einen bundesweiten Beitrag. Während der Kämpfe im Gazastreifen berichtete sie über eine palästinensisch-israelische Familie, die Verwandte in Gaza hatte. „Meine Kontakte sind ein Pluspunkt“, weiß die Mittdreißigerin. „Ich habe einen anderen Zugang zu den Communities.“ Zur Verständigung sollten Medien beitragen, findet sie. Vielleicht sähe man ja nun ein, dass man mehr auf Respekt und Verständnis setzen sollte. Das sieht Nina Amin Abayazid auch als ihren Auftrag: „Dieses Verbindende hat in meiner journalistischen

Arbeit Priorität.“


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26.05.2009
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