Unfreiwilliger Urlaub im Heim
TIERE Eigentümer finden Kater Mickey durch Zufall auf Internetseite wieder
Muss sich wieder eingewöhnen: Kater Mickey kehrte nach Hause zurück. Da er nicht tätowiert oder gechipt ist, konnte man im Heim seine Eigentümer nicht ermitteln. BILD: SCHILLING 
VON SUSANNE GLOGER
Osternburg/Nordmoslesfehn - Für Kater Mickey ist die Welt wieder in Ordnung. Fast zwei Monate musste er im Tierheim zubringen. Dort hatte ihn jemand aus der Nachbarschaft seines Zuhauses an der Eidechsenstraße als herrenloses Tier abgegeben. Mickeys Eigentümer, die Familie Schilling, suchten unterdessen voller Sorge nach dem Kater, sprachen Nachbarn und Spaziergänger an – alles ohne Erfolg. Doch nun ist alles wieder gut: Mickey ist nach Hause zurückgekehrt und erholt sich dort von dem für ihn doch sehr verwirrenden Aufenthalt in der Fremde.
Dabei hätte das alles so nicht sein müssen. Mickeys Eigentümer sprechen von falsch verstandener Tierliebe des Finders. Der hätte sehen können, dass der Kater wohlgenährt und kastriert ist. Die Schillings geben sich aber auch selber Schuld daran, dass die Abwesenheit des Katers so lange dauerte.
Tägliche Freigänge
Die Geschichte begann Ende August, da tauchte Mickey von einem Spaziergang nicht mehr auf. „Der Kater lebt seit zehn Jahren bei meinen Eltern, und er ist seine täglichen Freigänge gewöhnt“, erzählt Christian Schilling. Man sei zwar besorgt gewesen, als Mickey weg blieb, „aber wir dachten, dass er bestimmt wiederkommen würde“, so der 28-Jährige. Doch als mehrere Wochen vergangen waren, schwand die Hoffnung.
Durch Zufall stieß Christian Schilling in der vergangenen Woche auf die Internetseite des Tierheims. Unter den Fotos von den Vermittlungstieren fand er einen Kater namens Stallone, der Mickey sehr ähnlich sah. „Die Freude war groß“, so Schilling. Er fuhr sofort zum Tierheim. Und in der Tat: Kater Stallone war Kater Mickey.
Aber dann der Schock: „Wir sollten für ihn eine Aufwandsentschädigung von fast 210 Euro zahlen. Eine Einigung war nicht möglich. Entweder zahlen oder der Kater wird weitervermittelt“, berichtet Christian Schilling. Da die Familie so viel Geld nicht auf einmal aufbringen konnte, bot sie Ratenzahlung an. „25 Euro im Monat“, so Schilling, „aber man wollte nur bei einer monatlichen Rate von 50 Euro auf das Angebot eingehen.“
Kein Einzelfall
Lange hat Heimleiterin Ellen Hibbeler mit sich gehadert. Letztlich ließ sie sich, wie sie der NWZ bestätigte, auf die 25 Euro pro Monat ein. Und sie begründet, warum ihr das so schwer gefallen ist: „Wir haben mit Ratenzahlungen viele schlechte Erfahrungen gemacht. Sie werden oft schnell eingestellt.“ Der Fall Mickey sei kein Einzelfall. Das Tierheim müsse aber kostendeckend arbeiten. Es bekomme Zuschüsse von der Stadt Oldenburg und von Randgemeinden mit denen man vertraglich verbunden sei. Darüber hinaus finanziere man sich aus den Gebühren für Abgabe- und Vermittlungstiere.
„Wenn ein herrenloses Tier bei uns abgegeben wird, müssen wir es aufnehmen“, sagt Hibbeler. Es werde dabei sofort nachgeprüft, ob man den Eigentümer ermitteln könne. „Deshalb sei es zum Beispiel bei Katzen dringend notwendig, sie mit einem Chip oder einer Tätowierung kennzeichnen und beim Verein TASSO registrieren zu lassen.“ Eine ärztliche Untersuchung, Impfung, Entwurmung und – falls nötig – Kastration folge. „Außerdem kostet die Unterbringung der Katze pro Tag 4,50 Euro“, erklärt Hibbeler, wie die „Aufwandsentschädigung“ zustande kommt.
14 Tage nach Einzug der Katze werde sie zur Vermittlung freigegeben. „Dem Eigentümer gehört sie aber sechs Monate lang. Das heißt, auch wenn sie vermittelt wird, bekommt er sie zurück.“ Die Fundtiere werden regelmäßig auf der Internetseite des Heims abgebildet. Ein Blick darauf hätte auch Kater Mickey schneller geholfen.
www.tierheim-ol.de
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