Nur der krasseste Spruch gewinnt

LESUNG Zwei Lektoren erklären ihrer „Generation doof“ humorvoll den Bankrott


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Generation doof: Anke Weiss und Stefan Bonner nehmen es mit (Selbst)-Ironie. FOTO: LITZIUS Bild vergrößern

Von Martin Wein

Wilhelmshaven Bislang nannte man die Alten lieber vornehm Junggebliebene. Das könnte sich ändern. Das Alter könnte wieder an Eigenwert gewinnen. Denn was die Alten schon immer wussten, haben sie inzwischen schriftlich: Die junge Generation ist doof.

Das glauben zumindest Stefan Bonner und Anne Weiss. Beide arbeiten als Lektoren für die Lübbe-Verlagsgruppe in Bergisch-Gladbach und hatten für ihr Werk mithin nicht nur schnell einen Verlag, sondern – nach eigenem Bekunden – auch reichlich Anschauungsmaterial zur Hand. Im Restaurant „Nautilus“ stellten sie am Mittwochabend ihr Opus auf Einladung der Buchhandlung „Gedankenflieger“ vor.

Werbung hätte es dafür eigentlich kaum gebraucht. Allein der Titel „Generation doof“ ist so provokant, dass das Buch mit dem Goldfisch im Glas auf dem Titel seit Wochen auf den Bestsellerlisten steht. Dabei nehmen diesmal die Jungen sich selbst aufs Korn.

Sie hätten das Generationsgefühl der 15- bis 45-Jährigen beschreiben wollen, sagten die Autoren zwischen allerlei lockerem Tratsch und auswendig aufgesagten Passagen. Wo Uelzen liegt, wissen auch Bonner und Weiss nicht, obwohl sie dort als nächstes lesen. Auch die drei längsten Flüsse Deutschlands kennen sie nicht und Bonner – obwohl ein Studierter – scheitert beim Erzählen lässig lachend am „frischen Fisch“ und der „Patentante“. Heißt die nicht „Patentantin?“.

Doch es geht schlimmer: Da wird eine junge Frau im Einstellungsgespräch gefragt, wo sie sich in zwei Jahren sieht. Antwort: Im Wochenbett. Da spielen Kinder „Dieter Bohlen“: Abwechselnd machen sie Faxen. Das Bohlen-Kind reißt krasse Sprüche darüber. Das Kind mit den krassesten Sprüchen gewinnt. Aber sei das ein Wunder bei Jahrgängen, deren liebste Kindheitserinnerungen je nach Alter mit US-Fernsehserien oder Killerspielen zu tun haben?

Zwischendurch klingt an, dass diese Generation, die allmählich in Entscheider-Positionen aufrückt, mit ihrer Ignoranz und Bildungsferne ernste Probleme verursacht. Wer alles haben will, aber nichts entscheiden kann – und schon gar nichts Wichtiges – der fährt den Karren an die Wand. Deswegen schreiben die beiden für ihre Leidensgenossen derzeit an einem Erste-Hilfe-Paket, mit dem die Doofen sich selbst aus genau dem Sumpf ziehen sollen, den ein Furor wie Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich als Trittbrettfahrerin öffentlich angeprangert haben.

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31.10.2008
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