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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Grenzwerte müssen massiv gesenkt werden

07.01.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-01-20T15:17:40Z 280 158

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Grenzwerte müssen massiv gesenkt werden

Das Thema: Schadstoffe bei Dieselautos

Im Interview: Axel Friedrich, Umwelt-Aktivist

Zur Person: Axel Friedrich (*1947) ist Mitbegründer des Umweltverkehrsrates International Council on Clean Transportation (ICCT).

Frage: Herr Friedrich, viele Diesel-Pkw blasen deutlich mehr giftiges Stickoxid in die Luft als Lastwagen. Warum?

Friedrich: Bei Lkw werden seit zwei Jahren die Emissionen bei Tests auf der Straße gemessen. Dadurch wird sichergestellt, dass sie die Grenzwerte auch im Straßenverkehr einhalten – und nicht nur auf dem Prüfstand. Wer wie die Pkw nur im Labor sauber sein muss, fällt in Straßentests natürlich durch.

Frage: Welche Pkw sind besonders negativ aufgefallen?

Friedrich: Es gibt nur ganz wenige, die wirklich sauber sind. Von den zehn besten Fahrzeugen, die ich gemessen habe, kommen acht aus dem VW-Konzern. Fünf davon halten die Grenzwerte ein. Besonders schlimme Stickoxid-Schleudern kommen von Fiat und Jeep, Renault und Nissan. Auch Ford und Opel sind negativ aufgefallen. Die Grenz­wertüberschreitungen sind klar illegal. Wenn Fiat unter 19 Grad Außentemperatur die Abgasreinigung abschaltet, ist das ein eindeutiger Verstoß gegen die EU-Richtlinie. Deren Ziel ist ja, nicht für saubere Luft im Labor zu sorgen, sondern die Belastung für die Menschen zu verringern. Trotz strengerer Grenzwerte sind die Emissionen nicht zurückgegangen.

Frage: Ab September 2017 werden in der EU Labortests schrittweise durch Straßenmessungen ersetzt: Reicht die Umstellung aus, um den Skandal zu stoppen?

Friedrich: Das ist eine Mogelpackung. Denn die Grenzwerte dürfen bei den Straßentests um das 2,1-fache übertreten werden! Damit dürfen die Emissionen deutlich höher liegen. als es vor zehn Jahren beschlossen worden ist.

Frage: Warum greift die Politik nicht durch?

Friedrich: Schauen Sie sich die Wechsel von der Regierungsbank in die Autoindustrie an: Eckart von Klaeden zu Daimler, Thomas Steg zu VW, Matthias Wissmann zum Verband der Automobilindustrie. Die werden nicht wegen Fachwissens eingestellt, sondern weil sie die Telefonnummern von Frau Merkel und Herrn Gabriel und gute Kontakte haben. Die Branche macht erfolgreich Druck auf die Regierung.

Frage: Wie können mehr saubere E-Autos auf die Straße gebracht werden?

Friedrich: Es gab gerade mal ein paar Tausend Anträge für die E-Mobilitätszulage. Das ist lächerlich, war aber auch zu erwarten. 4000 Euro Zulage reichen nicht, um jemanden zum Kauf eines teuren E-Autos mit Reichweitenproblemen zu bewegen. Die einzige Chance ist es, die Grenzwerte für CO2 deutlich zu senken und für ihre Einhaltung zu sorgen.