21.02.2015

Interview
Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend

Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen BILD: dpa

Das Thema: Ehe und Familie Im Interview: Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen Zur Person: Der katholische Bischof Heiner Koch (60) sitzt der Kommission Ehe und Familie der Bischofskonferenz vor.

Frage: Kanzlerin Angela Merkel ist am Sonnabend zur Audienz im Vatikan: Was gibt es mit Papst Franziskus zu besprechen?

Koch: Es wird sicherlich vor allem um die Frage des Friedens gehen, um das Miteinander der Religionen, der Werte und Weltanschauungen. Politik und Kirche können gemeinsam einen Beitrag leisten, dass das Verständnis füreinander wächst und Gewaltbereitschaft abgebaut wird.

Frage: Angela Merkel wäre als Katholikin nicht zur Eucharistie zugelassen, weil ihre erste Ehe geschieden worden ist. Sollte am Tisch des Herrn nicht jeder willkommen sein?

Koch: Wir schließen Geschiedene nicht aus der Kirche aus und wollen sie auch nicht bestrafen. Aber uns ist ein besonderes Verständnis der Ehe als Sakrament anvertraut. Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich immer mehr Ehepaare scheiden lassen – nicht wenige aus nachvollziehbaren Gründen.

Frage: Ist es das richtige Signal, sie nicht mehr zur Eucharistie zuzulassen?

Koch: Die Frage ist, ob wir Gläubige, die geschieden und wiederverheiratet sind und über eine tiefe Frömmigkeit verfügen, unter bestimmten Bedingungen zur Eucharistie zulassen können. Das könnte zum Beispiel nach einem langen Gespräch mit dem Beichtvater erfolgen. Über solche Wege sollten wir nachdenken.

Frage: Bei einer Fragebogenaktion kam heraus, wie sehr die Vorstellungen der Gläubigen zu Ehe und Familie und kirchliche Positionen auseinander klaffen. Wird die Kirche ihr Familienbild anpassen?

Koch: Mich hat das Meinungsbild der Gläubigen nicht überrascht. Wer tagtäglich in der Seelsorge unterwegs ist, weiß genau, was die Menschen denken. Mich erschreckt manchmal, welche abwegigen Vorstellungen es vom kirchlichen Sexualitätsverständnis gibt.

Frage: Stichwort Homosexualität: Hält die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften für Leben in Sünde?

Koch: Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend. Die Kirche braucht eine andere Sprache, wenn es um Homosexuelle geht. Wichtig ist vor allem ein gutes Miteinander, vor Ort in den Pfarreien. Vieles lässt sich nicht über Thesen in Zeitungen lösen, sondern im Gespräch und Austausch. Ich kenne homosexuelle Paare, die Werte wie Verlässlichkeit und Verbindlichkeit in vorbildlicher Weise leben.

Interview

Thema: Integrationsgesetz
Raimund Becker, Bundesagentur für Arbeit

Meinungen

Panne mit Regierungsfliegern

Peinlich

von Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff
Hermann Gröblinghoff

Griechenland-Hilfe

Mogelpackung

von Andreas Herholz, Büro Berlin
Andreas Herholz, Büro Berlin
Andreas Herholz, Büro Berlin

Kabinettsklausur

Ausregiert

von Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin

Deutsche Theater

Am Limit

von Reinhard Tschapke
Reinhard Tschapke
Reinhard Tschapke

Lager Idomeni geräumt

Überfällig

von Andreas Herholz, Büro Berlin
Andreas Herholz, Büro Berlin
Andreas Herholz, Büro Berlin

Präsidentenwahl in Österreich

Menetekel

von Rolf Seelheim
Rolf Seelheim
Rolf Seelheim

Karikatur

Politik auf NWZonline

article
98e5776e-a0bf-11e4-9bc5-ded46595ab6d
Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend
http://www.nwzonline.de/interview/homosexualitaet-als-suende-darzustellen-ist-verletzend_a_24,0,1242641575.html
..
http://www.nwzonline.de
Interviews,
Interviews

Politik

Flüchtlingslager

Die griechische Tragödie

Athen/Genf Flüchtlingslager mitten im Nirgendwo, schlechte hygienische Bedingungen, keine Aussicht auf ein schnelles Asylverfahren: Athen kann es wohl keinem recht machen.

Rückkehr Zur Protestpartei Links vor rechts

Berlin Wagenknecht versus Gysi, Lafontaine versus Kipping und Riexinger - die Linken haben ein Problem mit ihren Alt-Stars. Doch gravierender ist die Frage, wo es für die Partei nun hingehen soll.