08.10.2015

Interview
Israel muss auf Hetze und Gewalt eine Antwort geben

Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Jakov Hadas-Handelsman, Diplomat BILD: dpa

Das Thema: Lage im NAhen Osten Im Interview: Jakov Hadas-Handelsman, Diplomat Zur Person: Jakov Hadas-Handelsman (58) ist Israels Botschafter in Deutschland. Der Diplomat ist studierter Nahostwissenschaftler.

Frage: Herr Botschafter, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Regierungskonsultationen mit der Bundesregierung am Donnerstag in Berlin überraschend abgesagt. Warum?

Hadas-Handelsman: Die Sicherheitslage in Israel ist sehr angespannt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu musste daher kurzfristig die Bundesregierung darum bitten, die Konsultationen zu verschieben. Das ist bedauerlich. Es sollte vor allem um Innovationen gehen, die bereits intensive Kooperation zwischen Deutschland und Israel weiter ausgebaut werden, etwa bei der Förderung von Hightech-Entwicklungen und Startups. Auch sollte ein Abkommen für die Nano-Technologie-Forschung unterzeichnet werden. Aber all das wird nachgeholt.

Frage: Müssen Sie sich auf eine dritte Intifada einstellen, einen weiteren längeren Aufstand der Palästinenser?

Hadas-Handelsman: Wir sind gut beraten, nicht gleich mit Schlagwörtern wie Intifada zu hantieren. Das wäre vorschnell und kurzsichtig. Ich habe den Eindruck, dass beide Seiten keine weitere Eskalation wollen. Dennoch: Israel muss auf Hetze und Gewalt eine Antwort geben. Wenn die Lüge verbreitet wird, dass wir den Status quo auf dem Tempelberg ändern wollen, sorgt das natürlich für Verunsicherung. Viele Palästinenser waren der Meinung, dass sie den Zugang zu den heiligen Stätten der Muslime verteidigen müssten. Die Wahrheit ist: Israel wird an den Regelungen für den Zugang zum Tempelberg nichts ändern. Wer den Status Quo verändern will, sind die Palästinenser, die kürzlich Waffen und Sprengstoff in die Al-Aqsa-Moschee geschmuggelt haben, um die israelische Polizei anzugreifen.

Frage: Die Rede von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor den Vereinten Nationen ist als Aufkündigung des Friedensprozesses und der Verträge von Oslo verstanden worden. Wie reagiert Israel?

Hadas-Handelsman:

Für uns zählt, was Abbas diese Woche noch einmal betont hat: Er fühlt sich weiter an die Verpflichtungen von Oslo gebunden. Es wäre allerdings besser, wenn Abbas nicht immer neue Hetzreden mit Vorwürfen an die Israelis halten würde und so zur Eskalation beiträgt. Stattdessen sollte er endlich an den Verhandlungstisch zurückkehren. Wir sind zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit.

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Israel muss auf Hetze und Gewalt eine Antwort geben
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