16.10.2015

Interview
Notfalls vor Gericht

Anwalt Jens-Peter Gieschen (52) aus Bremen vertritt Autobesitzer gegen Volkswagen. Ihr Schaden ist schwer zu beziffern.

Hans Begerow
BILD: Frank Jungbluth

Anwalt Jens-Peter Gieschen (52) aus Bremen vertritt Autobesitzer gegen Volkswagen. Ihr Schaden ist schwer zu beziffern.

Frage: Welcher Schaden ist den Kunden entstanden, die einen VW mit manipuliertem Dieselmotor haben?

Gieschen: Der genaue Schaden lässt sich noch gar nicht beziffern. Zunächst einmal ist es der Imageschaden und der Hohn und Spott, den die Autobesitzer nun ertragen müssen. Dann gibt es einen Schaden, der sich in der Wertminderung äußert. Man weiß ja zurzeit noch gar nicht, ob sich so ein Fahrzeug wieder verkaufen lässt. Das lässt sich nicht absehen. Dann gibt es Schäden, die sich aus der Nachbesserung ergeben. Da hat Volkswagen ja schon angekündigt, dass es bei den verschiedenen Fahrzeugen verschiedene Nachbesserungen gibt. Wenn nur die Motorsteuerung verändert wird, kann es dazu führen, dass die Fahrzeuge einen höheren Verbrauch haben, auch eine geringere Leistung oder ein höherer Verschleiß sind denkbar.

Frage: Das klingt alles kompliziert. . .

Gieschen: . . .deshalb hat unsere Kanzlei sich mit einem Sachverständigen zusammengetan, der die Fahrzeuge vor und nach der Nachbesserung durchmisst, um festzustellen, was Volkswagen jetzt verändert.

Frage: Ist das mit Kosten verbunden?

Gieschen: Das geht sicherlich nicht kostenlos. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, wird das abdecken können. Für die anderen wäre in der Gemeinschaft der betroffenen Fahrzeughalter ohne Einschaltung der Gerichte eine Lösung mit Volkswagen denkbar. Das ist auch das, was wir bevorzugen. Dann wollen wir von Volkswagen eine Verjährungsverzicht-Erklärung, damit nicht ohne Not Druck entsteht und Ansprüche von Fahrzeugbesitzern verjähren.

Frage: Gibt es einen Anspruch auf Entschädigung?

Gieschen: Ja. Und das ist eines der schwierigsten Themen: Was ist eigentlich die Wertminderung, wie hoch wird sie sein? Das wird ausgehandelt werden müssen, notfalls vor Gericht.

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Hans Begerow

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