04.02.2016

Interview
Werden Nachfrage nach Bargeld weiter befriedigen

Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Carl-Ludwig Thiele, Bundesbank-Vorstand BILD: dpa

Das Thema: Obergrenze für Bareinzahlung Im Interview: Carl-Ludwig Thiele, Bundesbank-Vorstand Zur Person: Der ehemalige Politiker Carl-Ludwig Thiele (FDP, 62) ist seit 2010 Vorstandsmitglied der Bundesbank.

Frage: Herr Thiele, die Bundesregierung erwägt für Bargeld-Zahlungen eine Obergrenze von 5000 Euro. Wäre das eine sinnvolle Maßnahme gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung?

Thiele: Das ist letztlich eine politische Entscheidung. Viele Bürgerinnen und Bürger haben gern Bargeld in der Tasche und wünschen sich, auch weiter damit bezahlen zu können. Zahlungsobergrenzen hat es in Deutschland bisher nicht gegeben. Die Einführung muss sehr sorgfältig diskutiert werden. Italien hat gerade erst wieder seine Bargeld-Obergrenze von 1000 auf 3000 Euro erhöht – mit der Begründung, so mehr Wachstum erreichen zu können. Wir arbeiten auf der Basis des Bundesbankgesetzes. Die Nachfrage nach Bargeld werden wir auch in Zukunft befriedigen. Ob die Verbraucher ihr Geld in Zukunft in bar haben wollen oder nicht, ist letztlich ihre Sache.

Frage: Verbraucherschützer und Opposition laufen Sturm gegen die Pläne. Wäre eine Bargeld-Obergrenze nicht ein Misstrauensvotum gegen alle Bürger?

Thiele: Es wäre eine gravierende Änderung des jetzigen gesetzlichen Rahmens. Wie bei jeder Neuregelung stellt sich die Frage, ob der gewünschte Zweck damit überhaupt erreicht werden kann. Bei der Kriminalitätsbekämpfung ist das Bargeld stark im Fokus. Aber der französische Ökonom Gabriel Zucman schätzt, dass sich etwa 5800 Milliarden Euro unbar auf Konten in Steueroasen befinden. Es muss geklärt werden, ob die hochgesteckten Ziele bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung realistisch sind. Der Nachweis steht noch aus.

Frage: Wird Bargeld eines Tages völlig verschwinden?

Thiele: Bei der Einführung des Euro im Jahr 2002 wurden 220 Milliarden Euro Banknoten vom Eurosystem emittiert. Inzwischen sind es knapp 1100 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach Bargeld ist unverändert groß. Viele werden sich noch an die Zypern-Krise vor zwei Jahren erinnern, als die Bürger vor den Geldautomaten Schlange gestanden haben. Ähnliches haben wir im vergangenen Sommer in Griechenland erlebt. Handlungsfähig ist nur, wer über Bargeld verfügt. Wenn die Nutzung von Bargeld eingeschränkt werden würde, besteht die Gefahr, dass Vertrauen bei den Bürgern verloren geht.

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