Bei Ebby dreht sich alles ums Tanzen
Beruf Wie sich der gelernte Maler und Lackierer in einem ganz anderen Metier selbstständig macht
von Jens Milde
Nordenham - Manchmal erweisen sich Rückschläge im Nachhinein als Glücksfall. Nach seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer wurde bei Michael Ebbers eine Allergie gegen Nitro und Terpentin festgestellt. Das ist in etwa so, als wenn ein Winzer allergisch auf Wein reagiert. Michael Ebbers musste sich beruflich völlig neu orientieren. Und nach einem langen und steinigen Weg verdient er nun als Tanzlehrer seine Brötchen. Der 38-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht. „Das hätte ich mir nie träumen lassen“, erzählt er, während er sich im Nebenraum seiner Tanzschule an der Viktoriastraße ins Sofa fallen und die ganze Geschichte noch einmal Revue passieren lässt.
Nach seiner Ausbildung hat Michael Ebbers, der von den meisten nur Ebby genannt wird, noch einige Zeit in seinem Beruf gearbeitet. Später wechselte er zu Männer für Alles, war als Sozialraumwärter bei Kronos Titan beschäftigt uns als Animateur bei Sun Parks in Tossens.
Mit 19 Jahren angefangen
Zum Tanzen ist Michael Ebbers, der inzwischen in Rodenkirchen wohnt, spät gekommen. Als er 19 war, fiel seinen Tanten bei einer Geburtstagsfeier auf, wie gut er sich auf der Tanzfläche bewegt. „Ich hab’ mit meiner Cousine aus Spaß einen Michael-Jackson-Tanz aufs Parkett gelegt“, erinnert sich der 38-Jährige. Die Damen waren so begeistert, dass sie ihm einen Tanzkurs spendierten. Gleich beim ersten Abschlussball wurde Michael Ebbers mit seiner Partnerin Erster in Disco Fox und Cha, Cha, Cha. „Anschließend im Fortgeschrittenen-Kurs fing’s an, mir richtig zu gefallen.“ In der Tanzschule Beuss, später Hoffmann, erklomm Michael Ebbers alle Stufen bis zum Super „Gold Star, Rang 3“. Er machte seinen Trainer-Schein für außergewöhnliche Tänze und gab in der Tanzschule eigene Kurse.
Die Idee, sich selbstständig zu machen, entwickelte sich langsam. 2005 fing Michael Ebbers mit zwei Gruppen in Blexen an. Und dann kamen immer mehr Gruppen dazu. Zunächst in Brake, dann in Burhave, Rodenkirchen, Seefeld, Oberhammelwarden und Großenmeer. Seit 2006 hat Michael Ebbers einen Gewerbeschein. Sein Unternehmen heißt Ebbys Tanztruppen. Inzwischen hat er 79 Gruppen in der ganzen Wesermarsch, knapp 1600 Schüler und neun Assistenten, die ihm bei den Kursen helfen. „Dass sich das einmal so entwickeln würde, hätte ich nicht für möglich gehalten“, erzählt Michael Ebbers.
Von 3 bis 79
Die jüngste Schülerin ist gerade einmal drei Jahre alt, die älteste 79. Es gibt Children-Dance, Background-Dancing, Rock’n’Roll, Bollywood und vieles mehr. Einen Querschnitt davon bekam das Publikum beim Nordenhamer Stadtfest zu sehen, als Ebbys Tanztruppen auf der Marktplatz-Bühne für Begeisterung im Publikum sorgten.
Neben den Tänzen für große Gruppen gibt Michael Ebbers auch Unterricht in den klassischen Standardtänzen. In der Regel fangen die jungen Leute in der Konfirmandenzeit damit an. Auch Einzelunterricht gibt Michael Ebbers, zum Beispiel für Paare, die demnächst heiraten wollen, sich auf der Tanzfläche aber nicht mehr ganz so sicher fühlen.
Michael Ebbers hat großen Spaß an seinem Job, obwohl die Arbeitsbelastung nicht von Pappe ist. Zehn Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche ist der 38-Jährige im Einsatz. Im Sommer gönnt er sich drei Wochen Urlaub und über Weihnachten ein paar Tage. Das war’s. Alle zwei Jahre besucht Michael Ebbers Seminare, um neue Tänze zu lernen. Vieles schaut er sich aber aus Musikvideos ab. In den Kursen steht der Spaß im Vordergrund. „In jedem Menschen“, sagt der 38-Jährige, „steckt ein Tänzer. Die einen lernen nur etwas langsamer und die anderen etwas schneller.“
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