Im Umzug ein anderer Mensch
Karneval Beate de Boer lässt keinen Umzug aus – Alleinunterhalterin auf der Strecke
von Traute Börjes-Meinardus
Varel - „Da musst du einfach mit rumspringen“, sagte sich Beate de Boer, als sie 1968 von Brake nach Varel gezogen ist und zum ersten Mal den Karnevalsumzug der KG Waterkant erlebt hat. In wechselnden Gruppen hat sie daran teilgenommen, seit einigen Jahren ist sie alleine dabei.
Als Beate de Boers Tochter Insa so groß war, dass sie mit auf die Strecke konnte, gab es für Beate de Boer kein Halten mehr. Als Gärtner verkleidet, mischten sich die beiden unters närrische Volk. Drei Jahre machte die Tochter den Spaß mit. „Dann fand sie das uncool“, berichtet Beate de Boer. Sie selber war längst vom Karnevalsvirus infiziert und wollte weitermachen. Verbündete fand sie im Kleingärtnerverein. Als dort das Interesse nachließ, war sie mit dem Shantychor Bockhorn dabei. „Als die nicht mehr wollten, habe ich meinen Schwiegersohn überredet und er ist mit seinen Kumpels mitgekommen“, erinnert sie sich gerne an ihren Auftritt mit der jungen Truppe. Für den Schwiegersohn war nach dem einem Mal Schluss und Beate de Boer stand wieder alleine da.
Als Einzelperson traute sie sich nicht teilzunehmen. “Da war ich noch nicht so mutig wie jetzt“, erzählt die 70-Jährige. Im Jahr 2000 hielt es sie nicht mehr und sie beschloss, alleine am Umzug teilzunehmen. „Das war vielleicht eine Überwindung“, erinnert sie sich. Sie bastelte sich einen Schwarzwaldmädel-Hut und fädelte sich bei Tepe in den Umzug ein. „Das ist für mich das Größte“, sagt sie, „im Umzug bin ich ein anderer Mensch, das bedeutet für mich Befreiung“.
Auch nach einem Oberschenkelhalsbruch vor zweieinhalb Jahren dachte die 70-Jährige nicht ans Aufhören, sie hat lediglich die Strecke verkürzt und läuft erst ab Langendamm mit. Das ganze Jahr freut sie sich auf den Umzug und schmiedet Pläne, als was sie sich verkleiden kann. Als Schotte war sie dabei, als Sheriff, Cowboy oder als Schwarzwaldmädel. „Hauptsache auffallen“, schmunzelt die temperamentvolle Varelerin.
In diesem Jahr setzt sie auf eine grün-rote Farbkombination, auch ihr Schwarzwaldmädel-Hut ist wieder dabei. Viele Gedanken macht sie sich auch über die Bonbons, die sie verteilt. An ihre große Tasche mit Bonbons hat sie eine kleine Tasche mit Gummibärchen für die kleinen Kinder befestigt.
Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. „Ich laufe so lange mit, wie ich kann.“
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