Kirche:
Gemeinde bietet katholische Alternative

Alt-Katholiken feiern sonnabends Gottesdienst in Neuende – 15 Mitglieder

Neuende „Aus Liebe zur Kirche – alternativ katholisch“ stand auf dem Sticker, den Torsten Kirstges am Sonnabend am Hemd trug. Besser könnte man nicht ausdrücken, warum in der Kirche Neuende rund 80 Menschen zusammenkamen. Dort feierte die neu gegründete alt-katholische Gemeinde Wilhelmshaven ihren ersten Gottesdienst. Pfarrer Oliver Kaiser war dazu aus Hannover nach Wilhelmshaven gekommen.

An ihn hatte Kirstges im November eine E-Mail geschrieben. Da war in Wilhelmshaven der Gedanke herangereift, eine alt-katholische Gemeinde zu gründen. Da es in ganz Niedersachsen nur 1500 Alt-Katholiken und nur eine eigene Kirche gibt, nahm der Pfarrer die E-Mail zunächst nicht ernst. Doch da kannte er auch die Situation in Wilhelmshaven noch nicht.

Seit die katholische Kirche im vergangenen Jahr ihre Pläne bekannt gab, sechs der neun Kirchen zu schließen, regte sich in der betroffenen Gemeinde St. Ansgar großer Widerstand. Aus diesem Widerstand ist die alt-katholische Gemeinde entstanden.

„Der Bischof hat entschieden, dass unsere Kirche geschlossen wird“, sagte Kirstges. Diese Art der Fremdbestimmung wolle man nicht mehr. Bei den Alt-Katholiken herrscht das Prinzip der synodalen Verwaltung – das heißt, dass gewählte Vertreter der Gemeinde über die Belange abstimmen. Die Unfehlbarkeit des Papstes lehnen die Alt-Katholiken ab. Bei ihnen dürfen Priester heiraten und es gibt eine ökumenische Gemeinschaft mit den evangelischen Kirchen.

Dass die alt-katholische Gemeinde auch ohne die Kirchen-Schließung entstanden wäre, glaubt Torsten Kirstges nicht. „Man ärgert sich zwar mal, sitzt aber doch gemütlich im warmen Nest“, sagt er. Ohne den Frust über die kirchliche Entwicklung wäre deshalb wohl nichts passiert.

Die Gemeinde hat bisher 15 Mitglieder und ist Teil der Pfarrgemeinde Hannover-Niedersachsen. Von dort aus wird sie mitbetreut. Einen eigenen Priester könnte es ab einer Gemeindegröße von ca. 150 Mitgliedern geben.

In der evangelischen St.-Jacobi-Kirche hat die Gemeinde eine Heimat gefunden. Dort feiert sie fortan jeden Sonnabend um 18 Uhr einen Gottesdienst. Zum ersten waren am Wochenende protestantische Gäste und solche aus anderen alt-katholischen Gemeinden gekommen.

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