OLDENBURG, 9. Februar 2011


Schwerer Abschied und großer Beginn

54. Gröönkohl-Äten Minister Philipp Rösler als würdiger Nachfolger von König KT gefeiert


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Die Fleischplatte für den Ehrentisch (von links): Gesundheitsminister Philipp Rösler, Oberbürgermeister Gerd Schwandner, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister. BILD: von Reeken  Bild vergrößern

Der scheidende König brillierte mit seiner Abschiedsrede. Der neue stand ihm nicht nach.

von Sabine Schicke Und Michael Exner

Oldenburg - Selten fiel der Abschied so schwer: Das Oldenburger Volk hat den 39-jährigen Edelmann KT geliebt. Als junger, fescher Kohlkönig war der fränkische Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) grandios: vollendete Manieren, geschliffene Sprache, Witz und eine Menge Schneid. „Ein Kohl-Tausendsassa eben“, wie ihm Niedersachsens Ministerpräsident und Schirmherr David McAllister (CDU) schmeichelte.

Große Lieben enden gar nicht, oder es gibt eine(n) Neue(n): Es lebe König Philipp; ebenfalls aus Angela Merkels Kabinett – und er ist sogar noch jünger, lässig, gescheit und bringt mit seinen ausländischen Wurzeln multikulti auf den Thron.

Oldenburgs Kohltradition auf Internationalitäts-Kurs: Gekürt wurde der neue König mit vietnamesischen Wurzeln vom Großen Kurfürsten Murat Yeginer, einem Türken. „Meine Vorfahren kamen nur bis Wien, ich darf in Berlin einen König küren“, sagte der Schauspieler (früher Oldenburg, jetzt Pforzheim).



Der 37-jährige Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) wurde am Montagabend von den 350 Gästen beim 54. Deftig Ollnborger Gröönkohl-Äten in der Niedersachsenvertretung in Berlin herzlich empfangen.

Zuvor hatte der scheidende König („Ja, ich wollte immer mehr werden als nur Verteidigungsminister, ja, ich wollte König werden: Krone statt Gel auf dem Haupt“) noch einmal Glanzlichter in Erinnerung gerufen: „Ein Höhepunkt meiner Regentschaft war die Eröffnung des Oldenburger Stadtfestes – ohne Johannes B. Kerner und ohne meine Frau. Bei lausigem Wetter mehr Bier und Korn als Regen abzubekommen, gelingt wohl nur in Oldenburg.“

Auch Kohlkönige mit Glamourfaktor lassen Wünsche offen, wie Oberbürgermeister Gerd Schwandner den scheidenden zu Guttenberg als Fazit wissen ließ: „Irgendwann haben Sie die Bundeswehr so klein gespart, dass wir sie komplett nach Bümmerstede verlegen können.“

Der Baron hingegen lernte den Unterschied zwischen Pinkel und feinem Pinkel: „Der Pinkel vor Ihnen auf dem Teller hat nur einen Vornamen und kann jedem Mikro ausweichen.“ Sein Nachfolger, so prophezeite Guttenberg, werde liberale Rache nehmen. „Und liberal ist in diesen Tagen eine Drohung.“

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Die Kohlkönigskrone bringt Philipp Rösler Niedersachsen wieder etwas näher. „Auch wenn das Amt für ein Mitglied einer bürgerlichen Partei ungewöhnlich ist.“  Mit zu Guttenberg wollte er sich in der Beliebtheitsfrage erst gar nicht messen. „Da rangiert der Gesundheitsminister an letzter Stelle.“ Vielmehr verglich er sein Amt mit einem knappen Bikini: Alle fragten sich, wie er sich hält und wann er fällt.

Der neue König hatte eine Bitte an sein Volk: Wer den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimmen bei der Wahl kenne, solle ihn nicht verraten. „Davon lebt die FDP seit vielen Jahren.“

Rösler beherrscht, wie er verriet, den Grundwortschatz auf Platt: Moin, Jau, Tach, Wat, Korn, und („wichtig für Koalitionsverhandlungen“) Schiet und Nö!

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