Kohl-Regentschaft krönt Politiker-Karrieren
Gröönkohl-Äten Alle Könige seit 1956 im Überblick – Vier Bundeskanzler auf der Liste – Essen fiel zweimal aus
von S. Schicke Und J. Rittner
Oldenburg - Theodor Heuss war zwar nie Kohlkönig. Trotzdem gilt der erste Bundespräsident indirekt als Vater des Kohlessens. Denn Heuss hatte keine Lust, den Einladungen nach Oldenburg zu folgen. Wenn das Völkchen aus dem Nordwesten was von ihm wollte, dann könne es ja nach Bonn in die Hauptstadt kommen. Gesagt, getan. Die Oldenburger packten Kohl, Pinkel und Löffeltrunk ein und veranstalteten ihr erstes Fest. Da es auch einen Kohlkönig brauchte, wurde Heuss’ Ministerialdirektor Hans Bott ausgeguckt.
Fortan allerdings waren es zumeist gestandene Bundesminister, die das Kohlvolk für ein Jahr regierten. Auch Top-Politiker aus Niedersachsen und einige Parteivorsitzende vervollständigen die illustre Liste. Seit Helmut Schmidt gilt übrigens: Ein Kanzler muss auch mal König gewesen sein.
Nicht nur deshalb gilt das Essen als bedeutend für die Stadt. Denn: Oldenburger Politik, Wirtschaft und Verwaltung trifft sich mit den Entscheidern in der Hauptstadt. Und das dürfte dem einen oder anderen Projekt in Oldenburg durchaus Rückenwind gegeben haben.
Hier lesen Sie alle Könige in der Übersicht:
2012 Günther Oettinger, EU-Kommissar
2011 Philipp Rösler, Gesundheitsminister (später während seiner Amtszeit Wirtschaftsminister und Vizekanzler)
2010 Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Verteidigungsminister
2009 Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung
2008 Frank-Walter Steinmeier, Vizekanzler und Bundesaußenminister
2007 Ole von Beust, Erster Bürgermeister von Hamburg
2006 Günter Verheugen, Vizepräsident der Europäischen Kommission, zuständig für Unternehmen und Industrie
2005 Christian Wulff, Ministerpräsident von Niedersachsen
2004 Manfred Stolpe, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
2003 Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender
2002 Sigmar Gabriel, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen
2001 Angela Merkel, CDU-Bundesvorsitzende
2000 Michaele Schreyer, Mitglied der Europäischen Kommission
1999 Otto Schily, Bundesminister des Innern
1998 Jürgen Rüttgers, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
1997 Klaus Töpfer, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
1996 Joschka Fischer, Vorstandssprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
1995 Rudolf Scharping, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
1994 Klaus Kinkel, Außenminister
1993 Karl-Heinz Funke, Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
1992 Gerhard Schröder, Ministerpräsident von Niedersachsen
1991 ausgefallen (Golf-Krieg)
1990 Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Bundestages
1989 Ignaz Kiechle, Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
1988 Walter Hirche, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr
1987 Norbert Blüm, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
1986 Oscar Schneider, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
1985 Hans-Dietrich Genscher, Außenminister
1984 Helmut Kohl, Bundeskanzler
1983 Ernst Albrecht, Ministerpräsident von Niedersachsen
1982 Annemarie Renger, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages
1981 Gerhart Baum, Bundesinnenminister
1980 Werner Remmers, Niedersächsischer Kultusminister
1979 Ernst Benda, Präsident des Bundesverfassungsgerichts
1978 Helmut Schmidt, Bundeskanzler
1977 Hans Matthöfer, Bundesminister für Forschung und Technologie
1976 Hans Apel, Bundesfinanzminister
1975 Rötger Groß Niedersächsischer Minister des Innern
1974 Lauritz Lauritzen, Bundesverkehrsminister
1973 Walter Arendt, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
1972 Kai-Uwe von Hassel, Präsident des Deutschen Bundestages
1971 Hans Leussink, Bundesminister für Bildung und Wissenschaft
1970 Georg Leber, Bundesverkehrsminister
1969 Kurt Partzsch, Niedersächsischer Minister für Soziales
1968 Walter Grund, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium
1967 Karl Möller, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft und Verkehr
1966 Carlo Schmid, Vizepräsident des Deutschen Bundestages
1965 Erich Mende, Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen
1964 Eugen-Ludwig Gerstenmaier, Präsident des Deutschen Bundestages
1963 Heinz-Maria Oeftering, Erster Präsident der Deutschen Bundesbahn
1962 ausgefallen (Hochwasserkatastrophe)
1961 Gerhard Schröder, Bundesinnenminister
1960 Josef Rust, Staatssekretär a. D.
1959 Heinrich Hellwege, Ministerpräsident von Niedersachsen
1958 Theodor Blank, Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
1957 Hans-Joachim von Merkatz, Bundesjustizminister
1956 Hans Bott, Ministerialdirektor im Bundespräsidialamt
- Für den scheidenden Kohlkönig Philipp Rösler war das 55. Gröönkohl-Äten bisweilen eine bittere Pille. Zum einen musste er nach einem Jahr die Kohlpalme weiterreichen. Zum anderen holte die FDP bei der Verteilung der politischen Witze eine Prozentquote, die im krassen Gegensatz zu den aktuellen Prozentchen der Partei stand.mehr
- Das Oldenburger Kohlvolk hat einen neuen König: EU-Kommissar Günther Oettinger übernahm am Montagabend in der Berliner Niedersachsenvertretung beim 55. Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten vor 350 prominenten Gästen das Zepter von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).mehr
- Philipp Rösler dankt ab - zumindest als Grünkohlkönig. Der Wirtschaftsminister gab seinen Titel als Kohlmajestät am Montagabend traditionsgemäß nach einem Jahr ab. Als seinen Nachfolger wählte das Kurfürsten-Kollegium der Stadt Oldenburg den.mehr
- Oldenburger Grünkohl als regionale Spezialität ist in Berlin gefragter denn je. Internationales Publikum hat sich am Montag, 16. Januar, zum 55. „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ angesagt. Gäste aus China, Südafrika und Kroatien werden ebenso an den Tischen sitzen wie Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Kultur und dem öffentlichen Leben aus Berlin und Hannover.mehr



