König mit Energie will Grüne besuchen
Gröönkohl-Äten EU-Kommissar Günther Oettinger folgt auf Philipp Rösler – 350 Gäste in Berlin
Landrats-Runde: (v.l.) Michael Höbrink (Wesermarsch), Hans Eveslage (Cloppenburg), Frank Eger (Oldenburg), Sven Ambrosy (Friesland) und Patrick de La Lanne (OB Delmenhorst). 
von S. Schicke Und J. Rittner
Oldenburg - Für den scheidenden Kohlkönig Philipp Rösler war das 55. Gröönkohl-Äten bisweilen eine bittere Pille. Zum einen musste er nach einem Jahr die Kohlpalme weiterreichen. Zum anderen holte die FDP bei der Verteilung der politischen Witze eine Prozentquote, die im krassen Gegensatz zu den aktuellen Prozentchen der Partei stand. „Zwei Prozent. Das ist das Reich der bibeltreuen Christen und der anarchistischen Pogo-Partei“, sagte Oberbürgermeister Gerd Schwandner gleich zu Beginn seiner amüsanten Begrüßungsrede – und mahnte dann „Mitgefühl für die Liberalen“ an.
Im fließenden Übergang schaffte der OB den Spagat zu Bundespräsident Christian Wulff. „Etwas wegmoderieren – das heißt doch nur, dass man Probleme ohne Drohanrufe auf Mailboxen lösen kann. Und immerhin sei Röslers Biografie ohne Unterstützung von Carsten Maschmeyer erschienen.
Von Schwabe zu Schwabe begrüßte der OB den neuen Kohlkönig – EU-Energiekommissar Günther Oettinger. „Wir kennen uns ja noch aus dem Landtag in Baden-Württemberg“, verriet Schwandner. „Einer von uns hat danach richtig Karriere gemacht. Aber EU-Kommissar ist ja auch nicht schlecht.“ Ein Energiekommissar passe einfach perfekt zu Oldenburg. „Wir haben 163 000 Öko-Päpste.“ Letztes Jahr hat sich Oldenburg sogar zwei Solarparks gegönnt – bei gefühlten zwölf Sonnenstunden pro Jahr. „Wenn wir irgendwann rausfinden, wie man aus Regen Strom macht, können Sie alle AKWs abschalten.“
Auch seine Liebe zu China ließ Schwandner in seiner wohl bisher besten Kohlrede nicht aus. „Ich war letztes Jahr tatsächlich häufiger in Groningen als in China.“ Und wie es sich für das internationale Oldenburg gehört, kamen nicht nur die Gäste aus vier Kontinenten, sondern zum Kohl aus Bümmerstede gab es wahlweise Bier aus Jever oder Wein von den südafrikanischen Oldenburg-Vineyards.
Schirmherr und Gastgeber David McAllister freute sich über ein Weinpräsent, wurde dann aber schnell nachdenklich. „Ich werde das zur Prüfung in der Staatskanzlei abgeben.“ Es gehe immerhin um 9,90 Euro.
Dem neuen König Oettinger lieferte Schotte McAllister vorsichtshalber schon mal eine Übersetzung frei Haus. „Sie sind jetzt Green-Cabbage-King.“ Der Ministerpräsident spielte jedoch nicht nur die launige Karte („Ich mache lieber in Cuxhaven Urlaub“), sondern wurde auch staatsmännisch. „Mit der European Medical School schreibt Oldenburg Geschichte.“
An der EMS hat auch der scheidende König einen großen Anteil, kam er doch als Gesundheitsminister zur Kohlwürde. Oldenburg ist ihm ans Herz gewachsen. „Egal was passiert, ich kann immer zu ihnen nach Hause kommen.“ Selbstironisch erinnerte er an seine Besuche zum Stadtfest und beim Kramermarkt. „Da habe ich mit dem OB in der Kutsche gesessen und den Menschen Bonbons zugeworfen. Mir wurden Blumen zurückgeworfen – okay, da hingen noch Töpfe dran.“
Kurfürst Ludger Abeln begrüßte die Gäste in perfektem Emsländer Platt. Die eine Hälfte der Gäste verstand zunächst kein Wort des NDR-Moderators, die andere applaudierte. Auf Hochdeutsch lobte er dann die große Tradition des Kohlessens. „55 Jahre – das hat sonst nur der GrandPrix geschafft.“ Und wie beim Casting für „Unser Star für Baku“ habe er sich mal angeschaut, wer als potenzieller Kohlkönig infrage käme. Vielleicht der „Harzer Overaller mit dem Titel „Angie - with no loving and no money“. Oder „Westerwave & the Young Urban Flipflops“ mit „Hoch auf dem gelben Wagen“. Und außer Konkurrenz der Bundespräsident mit dem Madness-Titel „Our House in the Middle of our Street“.
Oettinger lobte die denkwürdige Veranstaltung. „Dass ein Schwabe einen Schwaben einlädt und die Kohlköppe schauen demütig zu, ist schon ungewöhnlich.“ Über seinen Ex-Kollegen Schwandner sagte er: „Bei der FDP groß geworden, Gesellenstück bei den Grünen, die SPD übersprungen und jetzt mit einer radikalen Splittergruppe namens CDU über allem schwebend.“
Als neuer König habe er sich vorgenommen, sich bei seinem Oldenburg-Besuch ganz besonders viel Zeit für die Grünen zu nehmen. Die hatten das Kohlessen boykottiert, da sie Oettinger als Atomlobbyisten sehen.
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