23.04.2013

Meinung
Der Gescheiterte

Lafontaine-Rückzug

Alexander Will
 
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Alexander Will

Oskar Lafontaine will nicht mehr und verzichtet auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag. Welche Halbwertszeit mag dieser Verzicht wohl haben? Bei Lafontaine gehören Amtsverzicht und Rücktritt vom Rücktritt ja zur politischen Persönlichkeitsstruktur.

Offiziell sagt der Saarländer, er werfe hin, weil er keine Realisierungschancen für ein Konzept zur Neuordnung der europäischen Finanzmärkte sehe. Das klingt nach Vorwand. Weder innerhalb der Linken noch in Europa hat sich die Lage in den vergangenen Monaten in dieser Hinsicht grundlegend verändert. Die Wahrheit dürfte eine andere sein: Lafontaines Ego verkraftet es nicht, dass es Widerstand gegen seine Kandidatur gab. Dieses Ego ist nämlich von unbeschreiblicher Größe. Es stützt sich allerdings auf großes politisches Talent, überragende Rhetorik und die Gabe, die Menschen mitzureißen. Wer eine Rede Lafontaines vor Tausenden gehört hat, weiß das. Jedoch manifestiert sich dieses Ego auch in der Diskrepanz zwischen Lafontaines angeblicher sozialer Ader und seinem Lebensstil. Links reden aber großbürgerlich leben – das ist auf das Feinste am saarländischen Oberlimberg zu besichtigen, wo Lafontaine viele Jahre eine monströse Villa bewohnte, die jedem Neureichen bestens zu Gesicht stehen würde. Der Volksmund hat diesen Widerspruch in dem Wort vom „Palast der sozialen Gerechtigkeit“ auf den Punkt gebracht.

Darüber hinaus ist Lafontaine trotz aller seiner Talente politisch letztlich gescheitert. Er war ein Gegner der deutschen Einheit – und verpasste die Chance, eigene Ideen in den Einigungsprozess einzubringen. Er wollte bei Schröders Agenda-Reformen nicht mittun – und verweigerte sich damit einem Projekt, das Deutschland im internationalen Wettbewerb wieder fit gemacht hat. Die Linke im Westen wurde schließlich unter seiner Führung zu einem peinlichen Sammelbecken von Linksradikalen, Ex-K-Gruppen-Funktionären, gescheiterten SPD-Funktionären und ewig gestrigen Altkommunisten. Mit den realpolitischen Pragmatikern aus dem Osten wuchs diese Truppe nie zusammen. Das ist der Grund, warum die Linke ihren Zenit überschritten hat und als politischer Impulsgeber für das Land heute weitgehend ausscheidet.


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