17.08.2013

Meinung
Gespaltenes Land

Ägypten

Alexander Will
 
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Alexander Will

Ägypten blutet, und es blutet, weil tiefe Spaltungen der Gesellschaft im so genannten Arabischen Frühling vulkanartig aufgebrochen sind.

Seit der Trennung des Landes vom Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert spielt das Militär eine herausragende Rolle am Nil. Der ägyptische Offizier war in vielen Fällen europäisch gebildet, kritisch gegenüber den traditionellen islamischen Eliten, arabisch-nationalistisch und entsetzt von der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rückständigkeit seines Landes. 1952 putschten solche Offiziere den König weg, und spätestens seit dieser Zeit rekrutieren sich die staatlichen Eliten zum großen Teil aus dem Militär. Aus diesem Grund sieht die ägyptische Armee auch kein Problem darin, per Putsch in die Politik einzugreifen.

Die Opposition gegen die vom Militär getragene Modernisierung sammelte sich unter dem Banner des Islam. Die Moslembrüder und andere, noch radikalere Organisationen, sehen das Heil Ägyptens in einer Rückkehr zu islamischen Werten, die sie in den Zuständen zu Zeiten des Propheten und seiner unmittelbaren Nachfolger verkörpert sehen. Bis zum „Arabischen Frühling“ gelang es den säkularen Kräfte, diesen religiösen Antimodernismus für viele Jahrzehnte zu unterdrücken. Nach der Revolution zeigte sich dann durch die Wahl des Islamisten Mursi zum Präsidenten, wie einflussreich der politische Islam wirklich ist. Er ist dabei vor allem eine Sache der ärmeren Bevölkerung, die sich durch eine Rückkehr zu frühislamischen Verhältnissen Umverteilung des in wenigen Händen konzentrierten Besitzes und politischen Einfluss verspricht.

Die koptischen Christen geraten derweil zwischen diese Fronten. Unter den säkularen, modernistischen Regimes der Vergangenheit genossen sie weitgehende Religionsfreiheit. Für die Islamisten, die von einem rein islamischen Land träumen, sind sie bevorzugte Ziele.

Und wie wird es nun in Ägypten weitergehen? Ein Bürgerkrieg wie in Syrien ist wohl nicht zu befürchten. Diffuse Dauergewalt, Terror und Gegenterror hingegen schon. Der Sinai könnte sich zu einem rechtsfreien Terroristennest entwickeln. Wirtschaftlicher Niedergang ist wohl in jedem Fall unausweichlich.


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