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NWZonline {{SHARING.setTitle("Gewagtes Vorgehen")}}

USA-Strategie in Ägypten:
Gewagtes Vorgehen

Straßenschlachten, mehrere hundert Tote, ein sich im ganzen Land ausbreitendes Chaos. Die erschütternde Eskalation der Gewalt in Ägypten und der Kampf zwischen den alten und neuen Vertretern der Macht steht auch für ein krasses Versagen der westlichen Diplomatie bei diesem Konfliktherd.

Dabei war die Prozessionskette der politischen Vertreter in Richtung Kairo zuletzt lang: Von Bundesaußenminister Guido Westerwelle über die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bis hin zu US-Außenminister John Kerry – alle suchten sie Ägypten nacheinander auf, um Schlimmeres zu verhindern.

Doch schon bei einer einheitlichen Bewertung der Vorgänge in dem Land taten sich die Vertreter des Westens schwer. Die Aussage Kerrys beispielsweise, der Militärputsch habe der „Wiederherstellung der Demokratie“ gedient, war überhaupt nicht deckungsgleich mit den Aussagen der anderen Diplomaten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die politischen Interventionsversuche des Westens wie so oft bei Krisen den Ereignissen weit hinterher hinkten. Aber wie sehen die Möglichkeiten denn überhaupt aus, dem Blutvergießen Einhalt zu gebieten?

Barack Obamas Aufkündigung des jährlichen Militärmanövers am Donnerstag war ein erster politischer Warnschuss. Da die Übung allerdings nur ein relativ kleines Kontingent an Soldaten umfasst, war dies ein eher symbolischer Akt. Vor dem wirklich fühlbaren Schritt scheut Obama allerdings weiter zurück: der Aufkündigung der milliardenschweren jährlichen Militärhilfe für Ägypten. Der Grund: Der US-Präsident will sich alle Optionen mit Blick auf einen späteren Sieger im ägyptischen Kräftemessen offen halten.

Für jemanden, der 2009 den Friedens-Nobelpreis verliehen bekommen hat, ist dies allerdings ein durchaus gewagtes Vorgehen. Denn setzen die ägyptischen Generäle ihr drastisches Vorgehen gegenüber den Mursi-Anhängern fort, spielt Obama jetzt angesichts seiner Zurückhaltung auch mit dem Risiko, bald selbst direkt ins Fadenkreuz der internationalen Kritik zu geraten.


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