16.08.2013

Meinung
Keine Reue

Urteil gegen Totschläger

Gunars Reichenbachs, Büro Berlin
 
Bild Gunars Reichenbachs, Büro Berlin
Gunars Reichenbachs, Büro Berlin

Justitia muss die Waage finden zwischen Schuld und Sühne. Eine Augenbinde symbolisiert, dass Urteile ohne Ansehen von Person und äußerer Erscheinung fallen. Vielleicht hätte sich aber im Berliner Prozess gegen sechs junge Totschläger, die den 20-jährigen Jonny K. auf unfassbar brutale Weise attackierten, ein Blick gelohnt. Angeklagte grinsten in den Verhandlungen. Der Haupttäter, ein Ex-Boxer, rastete aus. Ein anderer zeigt der Schwester des Toten feixend den Stinkefinger. Von Reue keine Spur. Sind dafür Strafen von zwei Jahren und drei Monaten bis viereinhalb Jahre Haft angemessen? Oder viel zu milde? Ein umsichtiger Richter stand vor der Frage, wie er junges Alter und geistige Unreife bewerten sollte. Würden härtere Strafen ein Umdenken der türkischstämmigen Angeklagten befördern? Sogar Einsicht? Kann Strafrecht das leisten? Antworten fallen schwer. Wahrscheinlicher scheint, dass diese mit Gewalt groß gewordenen Angeklagten nicht zum letzten mal vor einem Richter gestanden haben.


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