16.04.2013

Meinung
Lauer Kompromiss

Diskussion um die Frauenquote

Claus Gorgs
 
Bild Claus Gorgs
Claus Gorgs

Ursula von der Leyen ist nicht zu beneiden: Stimmt sie am Donnerstag gegen den Antrag der Opposition, eine feste Frauenquote für Aufsichtsratsmitglieder in deutschen Aktiengesellschaften einzuführen, dann tut sie das gegen ihre Überzeugung. Sie selbst hat diese Quote immer gefordert. Stimmt sie aber dafür, wendet sie sich gegen ihre Partei, die CDU, die diese Quote ablehnt – und fügt der ohnehin antriebsschwachen Koalition womöglich eine Abstimmungsniederlage zu. Das nennt man ein Dilemma.

SPD und Grüne haben der Union eine geschickte Falle gestellt. Mit 20 Prozent liegt die geforderte Quote recht niedrig, gelten soll sie erst ab 2018 und auch nur für börsennotierte Firmen. Genug Zeit also, sich an den Gedanken zu gewöhnen und entsprechend vorzubereiten. Dieser Vorschlag ist auch bei vielen Frauen in der CDU konsensfähig. Und schon 21 Abweichler aus den Reihen der Koalition reichen, um die Regierung zu blamieren.

Der Kompromissvorschlag, den die CDU-Führung jetzt unterbreitet, hilft da nicht weiter. Ein bisschen Frauenquote als Absichtserklärung ins Wahlprogramm für 2020 – das mag zur Gesichtswahrung reichen, aber für Befürworter einer Quote kann das keine akzeptable Lösung sein.

Das eigentlich Absurde an dieser politischen Konstellation ist, dass es schon lange nicht mehr zu interessieren scheint, ob eine Frauenquote gut ist für die deutsche Wirtschaft oder nicht. Es geht der CDU-Führung nur noch darum, um jeden Preis den eigenen Laden zusammenzuhalten. Und dafür sogar eine Absichtserklärung zur Einführung einer Frauenquote ins Wahlprogramm zu schreiben, die die Mehrheit der Parteimitglieder ablehnt. Das ist genau die Form von Politik, die so viele Menschen verdrießt.

Ich halte es für falsch, Unternehmen gesetzlich vorzuschreiben, welche Personen sie auf welchen Positionen einsetzen wollen. Viele Frauen, die es ohne Quote in Führungspositionen geschafft haben, sehen das genauso. Wenn Politiker eine andere Meinung vertreten, etwa Frau von der Leyen, ist das ihr gutes Recht. Dann sollten sie aber auch für ihre Meinung einstehen und im Bundestag entsprechend abstimmen. Und sich ihre Meinung nicht mit einem lauen Kompromiss abhandeln lassen.


Den Autor erreichen Sie unter 

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel
Liebe Leserin, lieber Leser,

momentan steht Ihnen die Kommentarfunktion auf NWZonline.de nicht zur Verfügung. Bitte haben Sie hierfür Verständnis.

- Das Team von NWZonline

Das könnte Sie auch interessieren

Über den Autor

Claus Gorgs

stv. Chefredakteur
Chefredaktion
Tel.: 0441 9988 2018
Fax: 0441 9988 2029

Artikel

Meinungen

Verfassungsgerichtsurteil

Klatsche

von Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover

Ebola-Seuche

Auch Hoffnung

von Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin

Kunstverkauf für Spielcasino

Banausen

von Reinhard Tschapke
Reinhard Tschapke
Reinhard Tschapke

Schulpolitik in Niedersachsen

Chance vertan

von Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover

Neue EU-Kommission

Gute Wahl

von Andreas Herholz
Andreas Herholz
Andreas Herholz

IT-Gipfel in Hamburg

Planlos

von Denis Krick
Denis Krick
Denis Krick

Interview

Karikatur

Politik auf NWZonline

article
696e9cae-a2b5-11e2-9f75-838c2168fd02
Lauer Kompromiss
http://www.nwzonline.de/kommentare-der-redaktion/lauer-kompromiss_a_5,1,368037096.html
..
http://www.nwzonline.de
Meinung,
Meinung