17.04.2013

Meinung
Mehr Aufklärung

Überschuldung bei Jugendlichen

Ulrich Schönborn
 
Bild Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn

Jugendliche sparen und zahlen Kredite in der Regel vertragsgemäß zurück. Das ist die gute Nachricht aus einer aktuellen Statistik der Kreditauskunftei Schufa. Doch sie bildet nur einen Teil der Wahrheit ab: Denn die Statistik erfasst keine Verbindlichkeiten aus Dispokrediten oder Mobilfunkverträgen. Dabei lauern hier die größten Gefahren.

Während junge Menschen eher selten Bankkredite aufnehmen, sind Handyverträge, Ratenzahlungsangebote oder Dispos für Girokonten für sie deutlich leichter zu haben. Und schnell schnappt die Schuldenfalle zu. Schuldnerberatungen stellen fest, dass Hunderttausende Jugendliche in Deutschland überschuldet sind.

Ein Grund ist der steigende Konsumdruck. Handy, Wohnung und Auto sind für viele Jugendliche inzwischen selbstverständlich. Einkaufen per Internet senkt zusätzlich die Hemmschwellen. Die Folgekosten werden oft unterschätzt.

Ein anderer Grund ist mangelndes Wissen. Nur ein Drittel der Jugendlichen fühlt sich gut informiert. Mehr als die Hälfte hat indes keinen Überblick über die eigenen Ausgaben.

Hier sind zunächst die Eltern in der Pflicht. Wer selbst ein Leben auf Pump führt, kann nicht erwarten, dass der Nachwuchs sparsam ist. Vor allem Konsumkredite sind problematisch. Und genau diese sind für Jugendliche besonders leicht zugänglich.

In der Pflicht stehen aber auch die Schulen. In einer Welt, in der Finanzsysteme immer komplexer werden und wirtschaftliche Fragen eine immer größere Rolle spielen, werden praktisch orientierte Wirtschaftsthemen im Stundenplan sträflich vernachlässigt. Jugendliche wissen zu wenig über Finanzen – das ist die Kehrseite der Medaille, auf die die Schufa in ihrer Studie ebenfalls hinweist.

Handyverträge und Internetbestellungen gehören inzwischen zum Lebensalltag und die Jugendlichen kennen sich hier bestens aus. Die bitteren Folgen der Überschuldung lernen sie dagegen erst kennen, wenn es zu spät ist. Deshalb ist neben gesetzlichen Regelungen zum Jugendschutz vor allem Aufklärung gefragt – je früher und intensiver, desto besser .


Den Autor erreichen Sie unter 

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Über den Autor

Ulrich Schönborn

Chef vom Dienst
Chefredaktion
Tel.: 0441 9988 2004
Fax: 0441 9988 2009

Artikel

Meinungen

Jahresbericht zur Bundeswehr

Schlechtes Zeugnis

von Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin

Streit um Kommunalpolitik

Geknebelt

von Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover

Europaweite Pkw-Maut

Unausgegoren

von Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin
Rasmus Buchsteiner, Büro Berlin

Tsipras siegt in Griechenland

Zwickmühle

von Andreas Herholz
Andreas Herholz
Andreas Herholz

Niedersachsen-Umfrage

Stabile Lager

von Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover
Gunars Reichenbachs, Büro Hannover

Merkels Russland-Initiative

Verfrüht

von Andreas Herholz
Andreas Herholz
Andreas Herholz

Interview

Thema: Tödliche Unfälle
Alexander Dobrindt, Verkehrsminister

Karikatur

Politik auf NWZonline

article
020ce13e-a5a2-11e2-b380-3f6e6accc0ff
Mehr Aufklärung
http://www.nwzonline.de/kommentare-der-redaktion/mehr-aufklaerung_a_5,1,429175200.html
..
http://www.nwzonline.de
Meinung,
Meinung

Politik

Schwere Führungskrise

Pegida-Sprecherin Oertel und Mitstreiter treten ab

Dresden Kathrin Oertel und vier weitere Mitglieder des Organisationsteams haben ihre Ämter niedergelegt. Die Rede ist von einer „Auszeit“ wegen massiver Anfeindungen, Drohungen und beruflicher Nachteile.

nwzonline.de

Helios-Klinik In Nordenham

Stellenabbau vorerst wohl ohne Kündigungen

Nordenham Wieder Unsicherheit am Krankenhaus Nordenham: Nach hohen Defiziten im Jahr 2014 will Helios will Personalkosten um zwei Millionen Euro kürzen. Jetzt geht es darum, sozialverträgliche Lösungen zu finden.

Mehr zu den Themen ...