Meinung
Viel Potenzial
Tourismusrekord
Niedersachsen wird als Reiseziel immer beliebter. Die Zahl der Übernachtungen kletterte 2012 erstmals auf über 40 Millionen. Ob zum Skifahren im Harz, zum Wandern im Weserbergland oder zum Sonnenbad am Nordseestrand – das Land hat (fast) alles zu bieten, was das Touristenherz begehrt.
Im niedersächsischen Vergleich liegt die Küstenregion einschließlich der Inseln mit rund 12,3 Millionen Übernachtungen ganz vorn. Allerdings muss differenziert werden: Während der Küstentourismus am Festland zulegte, nahm die Zahl der Übernachtungen auf den Nordsee-Inseln ab.
Hier schlägt sich ein wandelndes Reiseverhalten nieder. Der Trend zum Kurzurlaub hält an, der mehrwöchige Familienurlaub am Inselstrand wird immer seltener. Statt Stammgäste kommen zunehmend Spontangäste. Ein Indiz ist die sinkende Verweildauer. Im Schnitt bleiben die Gäste nur noch drei Tage in ihrem Quartier. Zeit ist auch im Urlaub Geld. Die schwerer erreichbaren Inseln haben da oft das Nachsehen.
Aus dieser Entwicklung ergeben sich viele Ansatzpunkte: Service und Qualität werden immer wichtiger. Vielerorts sind Online-Buchungen noch kein Standard. Und wer sein Quartier nur wochenweise vermietet, schreckt Kurzurlauber ab.
Die Auslastung der Ferienquartiere in Niedersachsen von nur gut 30 Prozent zeigt ein weiteres Problem auf: Die Sommer-Saison an der Küste ist ebenso kurz wie die Wintersaison im Harz. Hier könnten pfiffige Ideen für die Nebensaison helfen. Pauschalreisen für Senioren und Familien, Gesundheits-, Sport-, Kultur- und Bildungsurlaub, spezielle Angebote für Hundebesitzer – die Liste ließe sich lange fortsetzen. So flexibel und vielfältig wie die Touristen müssen auch die Anbieter sein.
Das erfordert Engagement, Arbeit und Investitionen. Die steigende Zahl der Übernachtungen zeigt, dass die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen schon viel richtig macht. Es gibt aber auch noch viel zu tun.
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Ulrich Schönborn
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