Nasse Verkehrsader brachte Aufschwung
Küstenkanal Vor 75 Jahren wurde die Wasserstraße in Betrieb genommen – Erfolgreiche Entwicklung
Ab den 30er-Jahren war der Kamper Hermann Klöver mit der „Gertrud“ auf dem Küstenkanal unterwegs. Das Schiff nannte er nach seiner Frau. BILD: Adolf Klöver 
von Carsten Bickschlag, Redaktion Friesoythe
Kampe - Die Lebensgeschichte von Adolf Klöver und seiner Familie ist eng mit dem Küstenkanal und dem Elisabethfehnkanal verbunden. Der 56-Jährige wohnt heute in Osterscheps, doch schon die Urgroßeltern sowohl mütterlicher als auch väterlicherseits lebten am Kanal. In Elisabethfehn im nördlichen Kreis Cloppenburg bewirtschafteten sie ein Moorkolonat. „Meine Urgroßväter haben den Elisabethfehnkanal ausgehoben und an den Schleusen, die es heute noch gibt, mitgearbeitet“, erzählt Klöver.
Alle Brücken zerstört
In den 30er-Jahren siedeln die Großeltern Gertrud und Hermann Klöver nach Kampe an den – damals noch sehr schmalen – Küstenkanal um. Den Lebensunterhalt für sich und ihre sieben Kinder bestreiten sie mit den Erlösen einer kleinen Landwirtschaft – und mit der Binnenschifffahrt. „Opa besaß ein kleines motorgetriebenes Binnenschiff, mit dem er Torf nach Bremen, Getreide und Holz nach Friesoythe brachte.“
1939, der zweite Weltkrieg beginnt, und der Großvater und vier seiner Söhne – unter ihnen Adolfs Vater Anton Klöver – müssen an die Front. 1945, das Elternhaus in Kampe wird in den letzten Kriegstagen durch englische Fliegerbomben, wie viele andere Häuser am Kanal, zerstört. Und am Küstenkanal gibt es nach Kriegsende keine Brücken mehr. Nur Boote und Fähren, um den Kanal zu überqueren. 1950, Adolfs Eltern haben geheiratet und in Kampe einen Kolonialwarenladen direkt am Küstenkanal eröffnet. Es wird wieder gebaut am 70 Kilometer langen Küstenkanal. Er wird tiefer, breiter, neue Brücken werden gebaut. Klöver: „Viele Menschen haben daran mitgearbeitet. Vielen der Arbeiter stammten aus dem Ruhrgebiet. Sie blieben wochenlang auf den Arbeitsschiffen.“
Als der Kanal wieder durchgängig schiffbar wird, baut Familie Klöver direkt an der Bundesstraße vor dem Haus einen Anleger. Schiffer legen an und kaufen alles was sie zum Leben brauchen.
Unbeschwerte Kindheit
In den sechziger Jahren wachsen Adolf und seine Geschwister am Kanal auf. Sein Großvater baut ein Boot aus Eichenholz gebaut. So können Waren ans andere Ufer des Kanals gebracht werden. „Jeder unserer Kunden hatte ein kleines Heft, in das er seine Bestellungen schrieb. Donnerstagsabends sammelte unser Vater die Hefte ein, stellte die Ware zusammen und brachte sie am Freitag zu den Kunden. Ich war sehr stolz, wenn ich mitfahren und das Boot alleine rudern durfte“, sagt Klöver, der schöne Erinnerungen an die Zeit am Küstenkanal hat: „Meine Geschwister und ich verlebten eine glückliche Kindheit und Jugendzeit am Kanal. Im Winter liefen wir Schlittschuh und spielten Eishockey. Im Sommer gingen wir schwimmen, angelten oder schauten wehmütig den Schiffen nach.“
In den achtziger Jahren lohnt sich das Geschäft am Küstenkanal für Klövers Eltern nicht mehr. Den Service, die bestellte Ware direkt nach Hause gebrachte zu bekommen, will niemand mehr. „Gerade die älteren Mitbürger in Kampe werden sich aber bestimmt noch gerne daran erinnern“, sagt er.
Da Adolf Klöver in Friesoythe arbeitet, muss er zweimal am Tag in Edewechterdamm über den Küstenkanal fahren. „Ich freue mich immer wenn ich einen Blick auf den Kanal erheischen kann. Besonders das grüne Ufer und die vorbeifahrenden Schiffe haben es mir angetan. Ich wünsche mir dann oft wieder meine Kindheit am Küstenkanal zurück.“
wurde am 28. September 1935 offiziell in Betrieb genommen. Die Wasserstraße verbindet die Hunte in Oldenburg mit dem Dortmund-Ems-Kanal bei Dörpen (Emsland) und ist eine wichtige Verkehrsader.
Küstenkanal wird von Freitag, 24. September, bis Sonntag, 26. September, an der Kaje in Edewechterdamm im Landkreis Ammerland gefeiert.
„Leben und Arbeiten am Kanal“ wird die Nordwest -Zeitung über die Wasserstraße berichten und möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, einladen, mitzumachen. Wer Geschichten rund um den Küstenkanal kennt, historische Bilder oder Filme hat, kann sie senden an die Nordwest Zeitung, Peterstraße 28-34, 26121 Oldenburg, Telefon 0441/9988-2018, E-Mail: red.regionales@nordwest-zeitung.de
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