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Isländisch Für Anfänger:
Die Sprache der heißen Quellen und kalten Gewässer

Ísafjörður Kochend heiße Quellen, eiskalte Gewässer und grenzenlose Wildnis, wo man in plötzlich einsetzendem Nebel schrecklich allein sein kann: Islands Natur birgt die größten Herausforderungen. Ich fand mit dem tungumalanamskeidid eine weitere - einen Isländisch-Kurs im Selbstversuch. Die Sprache, so erkannte ich während des dreiwöchigen Lehrgangs, hat sich ihren Spitznamen „Latein des Nordens“ redlich verdient.

Komplizierte Grammatik

Sie verfügt über ein kompliziertes Gewirr von sechs Substantiv-Kategorien, jede mit bis zu 16 verschiedenen Endsilben. Dazu kommen fünf Verbfamilien. Der insulare Wortschatz pflegt eine Vorliebe für endlos lange Schlangenwörter. Und wie Latein ist auch Isländisch nur begrenzt einsetzbar: Es wird von lediglich 0,005 Prozent der Erdbevölkerung gesprochen.

Der Sprachkurs in Ísafjörður, einer Gemeinde mit 2700 Einwohnern, verhieß Romantik: Geografisch und gedanklich weit entfernt vom schicken, stylischen Reykjavík ragt Ísafjörður auf einer Halbinsel unter 600 Meter hohen Berghängen in einen Fjord. Das winzige Städtchen mit rostigen Wellblechfassaden ist die größte Siedlung in den Westfjords, einer Region, die dünner besiedelt ist als die Mongolei. Obwohl Islands Tourismus im vergangenen Jahrzehnt um rund 300 Prozent in die Höhe schoss, finden relativ wenige Besucher den Weg hierher.

Der ideale Ort also, um das authentische Island zu finden, wie es einmal gewesen sein muss, bevor Björk und Sigur Rós das Land zum Inbegriff nordischer Coolness machten. Ideale Voraussetzung auch, um fleißig zu lernen: Abgesehen von einem Spirituosenladen gibt es im Umkreis von 160 Kilometer keine Ablenkung - außer unberührter Natur, die gleich am Stadtrand beginnt.

fallegir, fallega, falleum – wie auch immer

Letztere gab mir einen Vorgeschmack auf die Schwierigkeiten der Sprache: Auf die Frage, was wir am Wochenende unternehmen, wollte ich der Klasse mitteilen, dass ich eine Wanderung zu einem Tal mit Wasserfall plante. Die Wasserfälle heißen fossarnir, doch geht man zu ihnen, heißt es fossana - es sei denn, man kommt von weit her, dann ist es fossanum. Und wird man von der Gischt nass gespritzt, so heißt es fossanna. Der Wochenendtrip erschien mir linguistisch zu schwierig, doch ich ging dann trotzdem zu den Wasserfällen, und sie waren schön: fallegir, fallega, falleum - wie auch immer.

Um den Überblick zu behalten, waren seitenweise komplizierte Tabellen vonnöten. „Wenn man Isländisch lernt, braucht man kein Sudoku“, sagt der Deutsche Peter Weiss, der die Sprache so gut beherrscht, dass er Direktor des Universitätszentrums der Westfjords (Háskólasetur Vestfjarða) wurde, wo der Kurs stattfand - eine Handvoll Räume in einem Gebäude, in dem auch Tiefkühlfisch gelagert wird.

Manche Schüler waren begeistert vom spielerischen Aspekt der Sprache, wie der US-Software-Designer Jim Brink und seine Frau, die Mathematikerin Norah Esty. Mit ihrem systematischen Denken lernten die beiden eifrig Grammatik und schrieben zum Spaß Deklinationstabellen aufs Whiteboard. Doch auch ihnen wurde es irgendwann zu viel. Einen Tag vor der Prüfung seufzte Brink erschöpft: „Gestern Abend fanden wir heraus, dass es 144 Wortendungen gibt, die wir wissen müssen...glaube ich.“

Bei aller Komplexität kann Isländisch auch radikal einfach klingen, was gleichermaßen verwirrt, wie etwa in dem Satz „Bondinn a a a a“. Das kann man mit „Der Bauer am Fluss hat ein Schaf“ übersetzen. Doch dafür braucht es Mut zum widersprüchlichen Denken: In einem Land, in dem es fast drei Mal so viel Schafe wie Menschen gibt, kann man sich nur schwer einen Bauern vorstellen, der nur eines hat.

Vokabular voller Poesie

Anlass zur Freude gibt das ungewöhnlich poetische Vokabular. Da sich die Isländer gegen Fremdwörter sträuben, adaptieren sie den Siedler-Wortschatz des neunten Jahrhunderts an moderne Entwicklungen: Telefon heißt simi vom Wort für Faden, ein Computer heißt tölva, was wörtlich Zahlenhexe bedeutet, und mein persönlicher Favorit ist gosdrykka für Mineralwasser - ein „Ausbruch-Getränk“.

Wir Sprachschüler fühlten uns gleichzeitig schwach - weil wir so wenig konnten - und stark - weil wir überhaupt etwas konnten: Als ich imstande war, mir das Wort hjukrunarfraedingur für Krankenschwester zu merken und es auch noch flüssig auszusprechen, war ich so stolz, dass ich fast eine Verletzung vorgetäuscht hätte, um im Krankenhaus damit anzugeben. Die Ladenbesitzer des Örtchens behandelten uns wie brave Kinder, geduldig und amüsiert über unsere sprachliche Tolpatschigkeit.

Doch meinen Ohio-Akzent wurde ich nie ganz los, so dass ich eines meiner Ziele noch nicht erreicht habe: Die überzeugende Aussprache des isländischen „-ll“, dessen Verstümmelung durch internationale Nachrichtensprecher während des Ausbruchs des Vulkans Eyjafjallajökull 2010 vermutlich alle 320.000 isländischen Muttersprachler zum Lachen brachte. Der Name des Berges hat ein geisterhaftes „t“, einen angenehmen Laut wie weiches Taubengurren, das sich meinen phonetischen Fähigkeiten bisher entzieht. Ein Grund zum Wiederkommen.

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