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Porträt:
Führungswechsel mit viel Musik

Bonn/Oldenburg Alle paar Wochen macht Christian Firmbach eine kleine Zeitreise. Dann schlüpft er in die Kleider eines gewissen Professor Florestan: gelbe Hose, grüner Gehrock, bunte Weste. So steht er dann im Bonner Opernhaus vor den Kindern, um gemeinsam mit dem dirigierenden Konzertpädagogen Thomas Honickel in der beliebten, im Titel an Robert Schumanns Fantasiefiguren sich anlehnende Konzertserie „Professor Florestan und Maestro Eusebius packen aus“ ein paar spannende Schmankerln aus der Musikgeschichte zum Besten zu geben.

Ausgebildeter Bariton

In Oldenburg, wo der Künstlerische Betriebsdirektor der Bonner Oper im nächsten Jahr als Nachfolger von Markus Müller Generalintendant des Staatstheaters wird, will er sich ebenfalls um junge Theaterbesucher kümmern. Dem Erfinder und Gründer der Bonner Kinderoper schwebt da die Idee einer „Jungen Oper Oldenburg“ vor.

Firmbach, der als Vater von vier Kindern zwischen vier und 19 Jahren schon aus privaten Gründen eine gewisse pädagogische Leidenschaft mitbringt, sieht in solchen Veranstaltungen wie den Florestan-Konzerten aber auch eine Möglichkeit, Präsenz beim Publikum zu zeigen.

Dass die eigentliche Zielgruppe des Theaters ein paar Jahre älter ist als die Besucher der Florestan-Konzerte, ist dem künftigen Generalintendanten klar. Vor allem auch, dass er es in Oldenburg mit einem gut bestellten Haus zu tun haben wird. Er will sich bei der Fortführung der Sparten Oper, Tanz und Schauspiel auf das Spiel mit den Mitteln der Theaterkunst konzentrieren.

„Ein szenisches Konzept sollte sich niemals über das Stück erheben“, lautet sein Credo, und so setzt er auf das poetische Potenzial, das dem Theater innewohnt. „Auch mit diesen Mitteln kann man aufrütteln und anrühren, ohne den Kern der Stücke in Alltagsbanalitäten zu verlieren.“ Referenz sind für ihn etwa die Regiearbeiten Willy Deckers. In Oldenburg will er sich verstärkt an Regisseuren aus dem europäischen Ausland orientieren, wo „die legendären Kühlschränke und Aktentaschen schon längst Theatergeschichte sind“.

Man wird den ausgebildeten Bariton als einen musikalischen Generalintendanten bezeichnen können. In Bonn hat er für den Generalintendanten Klaus Weise ein bemerkenswertes Ensemble aufgebaut. Immer wieder bringt er junge Stimmen mit enormem Potenzial ans Haus. Zuletzt etwa die mittlerweile vielfach ausgezeichnete Sopranistin Miriam Clark, die unter anderem als „Lakmé“ die Opernwelt verzückte. Sängerinnen und Sänger an der Bonner Oper wissen seine kluge Besetzungspolitik zu schätzen. Er hat ein Gespür dafür, junge Stimmen behutsam aufzubauen, sie nicht mit hohen Gagen, sondern mit Rollen ans Haus binden. „Wie beschäftige ich die Leute, dass sie bleiben?“, ist ein Kernfrage für Firmbach.

Liebe zum Norden

In Oldenburg würde er gern ein Ensemble aufbauen, das so gut ist, dass die Sänger nach zwei Jahren das Haus wieder verlassen, um an den großen Häusern Karriere zu machen. Firmbach selbst ist sozusagen in der Oper groß geworden. Schon früh sang er im Kinderchor seiner Heimatstadt Kassel mit, später war er dort Statist. In Köln studierte er Gesang, wandte sich dann zunächst der Regie zu und war als Assistent unter anderem von Andreas Homoki, Peter Mussbach und Nicolas Brieger an vielen internationalen Produktionen beteiligt.

1997 kam er nach Bonn, wo er leitende Funktionen innehatte. 2004 wechselte er nach Darmstadt, bis es der Zufall wollte, dass der dortige Generalmusikdirektor Stefan Blunier ein Angebot aus Bonn erhielt und er Firmbach als künstlerischen Betriebsdirektor und Stellvertreter des GMD in künstlerischen Fragen an die Oper mitnahm.

Die 2008 erfolgte Rückkehr an den Rhein war also nicht das Produkt einer bewussten Karriereplanung. Den Wechsel 2014 begreift er als Chance. „Oldenburg fühlt sich für mich genau richtig an“, bekennt Firmbach. Und damit meint er nicht nur das Theater. Firmbach liebt den Norden, wo er immer schon gern seinen Urlaub verbracht hat.

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