Musik
Last des ewig schönen Beatle
Paul McCartney wird am Montag 70 Jahre alt – Schatten des frühen Erfolgs
Paul McCartney wird am Montag 70 Jahre alt – Schatten des frühen Erfolgs
LONDON Er wird die Last der glorreichen Vergangenheit niemals los. Auch wenn Paul McCartney am 18. Juni seinen 70. Geburtstag feiert, wird er immer der nette, niedliche Beatle Paul bleiben: ein Teil der Beatles, der erfolgreichsten Band aller Zeiten. Alles, was der Sänger und Songschreiber nach dem Auseinandergehen der vier Pilzköpfe im Jahr 1970 zustande brachte, wird gemessen am Erfolg des Quartetts aus Liverpool, das in nur acht Jahren die Popmusik revolutionierte.
Gespür für Melodien
McCartney, der Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen, hatte schon als 20-Jähriger alles erreicht, was sich ein Musiker wünschen kann: Er galt als „Wunderkind“, das gemeinsam mit seinem Kumpel John Lennon Hits wie am Fließband schrieb. Noch immer gilt der Komponist von „Yesterday“ als der reichste und erfolgreichste Musiker seines Genres.
Nur ansatzweise konnte McCartney an seine Karriere mit den Beatles anschließen, nachdem er nach musikalischen und persönlichen Zwistigkeiten im Alter von 27 Jahren das Ende der „Fab Four“ verkündet hatte. Mit seiner neuen Band, den „Wings“, bekam der von der Queen zum „Sir Paul“ Geadelte in den 70er Jahren neuen Aufwind. Songs wie „Live and Let Die“, „Band on the Run“ und vor allem das dudelsack-quengelige „Mull of Kintyre“ verkauften sich millionenfach.
Und doch waren und sind sich Fans und Musikkritiker darin einig, dass McCartney nach der Trennung der Beatles und dem zeitgleichen Ende des immens produktiven Komponistenduos Lennon/McCartney als Künstler nur noch halb so viel wert sei. In der Tat scheint der frühere Beatles-Bassist nur in enger Zusammenarbeit mit einem starken Partner zum genialen Songschreiber aufzulaufen.
Untrüglich ist bis heute das Gespür des Engländers für eingängige bis sentimentale Melodien, die aber vielfach nur von glatter Nettigkeit sind. Die raue Kante, die oft sozialkritisch-bissigen Texte, lieferte der wilde Beatle Lennon. Aus den ungeschliffenen Ideen der beiden sehr gegensätzlichen Charaktere entstanden unvergängliche Diamanten des Pop: „She Loves You“, „All you Need is Love“, „Hey Jude“, „Let it Be“.
Hinter der Fassade des charmanten Dauerlächlers Paul verbirgt sich jedoch ein zwiespältiger Charakter: Der Multimillionär gibt gern den Schwiegermutterliebling. Auf einer Farm lebt der überzeugte Vegetarier mit seiner Familie und Schafen ein „ganz normales Leben“ und fährt regelmäßig mit der U-Bahn in sein Londoner Büro, um seine Tantiemen zu zählen.
Geschäftsmann
Denn McCartney ist ein knallharter Geschäftsmann, der weder musikalisch noch finanziell die Dinge aus der Hand gibt. Wegbegleiter und Biografen beschreiben ihn als einen Egozentriker, der stets der Boss sein muss, als einen Workaholic, der auch durchaus brutal seinen Willen durchsetzt.
Die Ermordung Lennons 1980 zerstörte seinen Traum von einer Wiedervereinigung der Band. Zudem verklagten ihn die Rest-Beatles George Harrison und Ringo Starr sowie die Lennon-Witwe Yoko Ono, weil er hinter ihrem Rücken zusätzliche Anteile an den Musikrechten aufgekauft hatte.
Seine stabile Lebensbasis scheint McCartney nach dem Tod seiner Frau Linda im Jahr 1998 verloren zu haben. Er lebt weiterhin zurückgezogen, trat aber zuletzt ins öffentliche Rampenlicht durch seine Liebschaften. Nach ihrer Scheidung im Jahr 2008 lieferte er sich mit seiner zweiten Frau Heather Mills in den Medien eine Schlammschlacht. Vergangenen Oktober führte er seine neue Flamme Nancy Shevell vor den Traualtar.
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