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Wilhelmshavener Oceanis:
Luxus in sparsamen Zeiten

Wilhelmshaven Er ist gierig, gibt er zu – „gierig nach Theater und nach Zuschauern“. Diesmal wird die Gier befriedigt. Der Wilhelmshavener Intendant der Landesbühne Nord, Olaf Strieb (46), erhält in seiner dritten Spielzeit eine neue Studiobühne – in kulturellen Sparzeiten „wie ein Lotto-Gewinn“. Er, der nach eigenen Worten „jeden Euro dreimal umdrehen muss“, kann mal aus dem Vollen schöpfen.

Möglich wurde das dank der Sponsorin und Mäzenin Angelika Reichelt (früher Reichelt Elektronik mit Hauptsitz in Sande). Die hat eine funkelnagelneue Studiospielstätte am Bontekai mit 99 Zuschauerplätzen ermöglicht, indem sie das Backsteingebäude kaufte und nun einrichten lässt – Zahlen nennt man übrigens nicht. Eröffnet wird die Bühne am 13. Februar mit der ausverkauften Premiere von „The Fantasticks“.

Freut sich: Intendant Olaf Strieb auf der Baustelle; von der neuen Zuschauertribüne soll man das Bühnengeschehen deutlich besser verfolgen können als bisher.

Die Bühne

Die Landesbühne Nord hat ihre Hauptspielstätte in Wilhelmshaven im Stadttheater an der Virchowstraße. Daneben gab es bisher das Studio an der Rheinstraße. Das wird jetzt durch das „Theos – Theater im Oceanis“ ersetzt. Die Eröffnungspremiere mit „The Fantasticks“ findet am 13. Februar statt (ausverkauft). Karten für weitere Vorstellungen: Telefon   04421/94 01 15


  www.landesbuhne-nord.de 

Das alte Studio an der Rheinstraße in Wilhelmshaven war längst sanierungsbedürftig. Dort war besonders das Junge Theater der Bühne zuhause, alles funktionierte meist gut. Sieht man mal davon ab, dass das Publikum erst dann den Raum betreten durfte, wenn die Schauspieler aus den Garderobe durch das wartende Publikum und den Eingang gekommen waren und sich irgendwo hinter Vorhängen oder in kleinen Gängen versteckt hatten. Dort mussten die armen Darsteller ausharren, bis es losging. Der Weg durch den Zuschauerraum war der einzige Bühnenzugang.

Am Bontekai wird es moderner zugehen. Das Gebäude des Oceanis wurde vollständig entkernt und neu aufgebaut. Ganz früher war es unter anderem eine Torpedohalle, dann Kammgarnspinnerei, später im Jahr 2000 für die Expo Hannover ein Außenstandort, zuletzt stand es wieder leer. Künftig wird das Haus auch eine Gastronomie sowie in den oberen Stockwerken Privatwohnungen enthalten. Unten nimmt das „Theos“ den Spielbetrieb auf. Der Intendant betont, dass diese Abkürzung nicht für „Theater Olaf Strieb“, sondern für „Theater im Oceanis“ steht. Vom Zuschauerraum könne man wunderbar durch riesige Glasscheiben gucken, „direkt aufs Wasser“ – was man natürlich nicht soll. Deshalb werden schwarze Jalousien für eine Konzentration auf die Bühne sorgen.

Die Bestuhlung ändert sich deutlich. „Wer im alten Studio einen Lulatsch wie mich – ich bin 1,90 Meter groß – vor sich hatte, der hatte Pech“, erläutert Strieb. Anders als im alten Studio steigen die Stuhlreihen im Oceanis schön an: „Die Sichtverhältnisse verbessern sich massiv.“ Das Ganze sei in diesen Sparzeiten, schwärmt Strieb, ein „reiner Luxus“.

Der Theaterleiter selbst („dafür habe ich ein Händchen“) inszeniert die Eröffnungspremiere mit dem opulenten Broadwaymusical „The Fantasticks“. Aber schon drei Tage vorher ist das „Theos“ erstmals Ort für eine Inszenierung der ganz anderen Art.

Schon vor Monaten hatte die Landesbühne die Bevölkerung um Hilfe beim Umzug gebeten. Die Wilhelmshavener reagierten umgehend.

Nun werden exakt 99 ehrenamtliche Helfer (so viele Plätze hat das Theater), 99 Stühle hochheben, die derzeit noch auf einem Anhänger an der Rheinstraße lagern, und sie zum Bontekai transportieren. Zum Dank dürfen sie eine Probe besuchen. Als Transportmittel ist aber nur erlaubt, was nicht motorisiert ist. Wahrscheinlich wird es eine Invasion von Rikschas geben.

Das Musical „The Fantasticks“ von Harvey Schmidt und Tom Jones, in Deutschland kaum bekannt, erzählt die Geschichte der Väter zweier Familien. Die wollen ihre Kinder, Luisa und Matt, verkuppeln. Also inszenieren sie eine Familienfehde und hoffen, dass die Kinder sich gerade wegen des Verbots füreinander interessieren. Doch der Plan misslingt . . .

Allein die Uraufführung am Broadway brach alle Rekorde. Sie lief in 17 162 Vorstellungen insgesamt 42 Jahre lang. Die fröhliche Musik mit so berühmten Melodien wie „Try To Remember“ trug zum Erfolg bei. Möge die Inszenierung im neuen „Theos“ auch so gut ausgehen. Und nicht so enden, wie das neue „Café im Oceanis“ künftig heißen soll: „Caos“.

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