Festival
„Reziteater“ von einem jungenhaften Popstar der Lyrik
Lutz Görner rezitiert „Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine im Oldenburger PFL
Lutz Görner rezitiert „Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine im Oldenburger PFL
Oldenburg Eigens für Lutz Görner wurde der Begriff „Reziteater“ erfunden. Die Auftaktveranstaltung des Görner-Festivals im Oldenburger Kulturhaus PFL war so ein Reziteater vom Feinsten. „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine stand an diesem ersten von vier Abenden auf dem Programm.
In seiner Vita ist nachzulesen, dass Görner am 1. Januar 1945 im Luftschutzkeller in Zwickau geboren wurde. Also ist er rein rechnerisch 67 Jahre alt und ein erfolgreicher Rezitator von Weltlyrik, unter anderem mit eigenen Fernseh-Sendungen. Trotzdem hat er sich etwas wunderbar Jungenhaftes bewahrt. Wie ein Popstar der Lyrik steht er im leuchtend roten Seidenhemd auf der nackten Bühne und strahlt.
Vor 50 Jahren rezitierte Görner als 17-Jähriger zum ersten Mal Heinrich Heine. „Deutschland. Ein Wintermärchen“ hat er schon mehr als tausendmal vorgetragen. „Ich freue mich drauf“, beflügelt er sein Publikum und legt los.
In den folgenden zwei Stunden erzählt er zunächst ein bisschen aus Heines Leben, dann beginnt er die 27 Kapitel frei vorzutragen. Und weil Görner auch ein begnadeter Schauspieler ist, gerät Heines Reise von Paris nach Hamburg zu Mutter, Onkel und Verleger äußerst kurzweilig.
Er klagt als Vater Rhein, heult mit den Wölfen und singt mit der Sonne. Görner jauchzt, flüstert, fleht, mahnt und plaudert. Er atmet entsetzlich stinkenden deutschen Zukunftsduft und gesteht vom Rum berauscht seine Vaterlandsliebe.
„Das war ein großer Spaß“, sagt der Künstler nach einer humorvollen Zugabe und winkt im Hinausgehen. Einige der 130 Gäste bedanken sich persönlich bei ihm für einen fantastischen Abend. Die Gelegenheit, Görner am heutigen Freitag (Ich lache nie) und morgigen Sonnabend (Chopin), jeweils 20 Uhr, erneut zu erleben, werden sie sich kaum entgehen lassen.
www.lutzgoerner.de
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