Theater:
Startrampe für große Bühnen

Christian Firmbach, Oldenburgs designierter Intendant, über seine Pläne

Vor drei Monaten wurde Firmbach zum neuen Oldenburger Intendanten gewählt. Er startet zur Saison 2014/2015. Im Gespräch betont der 45-Jährige die Lust zur Veränderung.

Bonn/Oldenburg Ja, er wird schon auf der Straße angesprochen. Nein, er will sich nicht in den Vordergrund drängeln. Er meidet Premieren, guckt sich lieber andere Vorstellungen an. Christian Firmbach ist im Moment präsent, aber noch nicht im Amt: Mit der Saison 2014/2015 übernimmt der Bonner in Oldenburg die Generalintendanz. Am 17. Januar – also fast genau vor drei Monaten – hatte ihn der Theaterausschuss gewählt. Wie ist heute der Stand der Dinge? Wie laufen die Planungen für das Staatstheater?

Firmbach muss Entscheidungen treffen. „Das geht nicht ohne häufige Reisen nach Oldenburg“, betont er. Und das geht nicht ohne Unruhe: „Viele sind im Staatstheater nervös, viele kennen ihre Zukunft noch nicht.“

Ein Drittel geht

Verträge werden verlängert oder nicht verlängert, Schauspieler und Sänger sind im Ungewissen. „Das ist normal“, beruhigt Firmbach. Das passiere bei einem Intendantenwechsel: „Das ist immer auch eine Erneuerung.“

Tabula rasa will er nicht machen; es wäre taktisch ungeschickt, dem Publikum alles wegzunehmen. Trotzdem könne es unter ihm „bittere Einschnitte“ geben. In dem Fall würde es vielleicht ein halbes Jahr unruhig werden, weil der eine oder andere Liebling nicht mehr auf der Bühne stünde, aber dann würde garantiert Harmonie einkehren, da ist er sich sicher. Derlei müsse man als Intendant aushalten. Generell gelte, weiß Firmbach, beim Intendantenwechsel eine mathematisch eher schräge Faustformel: „Ein Drittel kommt, ein Drittel geht, ein Drittel bleibt.“

Das Musiktheater sieht Firmbach als sein Kerngeschäft. Er hat sich schon einiges angeschaut. „Da sehe ich“, sagt er vage, „große Möglichkeiten zu handeln.“ Der Vater von vier Kindern will auf den Nachwuchs setzen. Junge Leute sollen in Oldenburg ihre Karriere starten. Andererseits will er das Ensemble pflegen. Ein Widerspruch?

Nicht für Firmbach: „Ein Haus dieser Größenordnung wird immer eine Entdeckerschmiede sein. Die Förderung junger Kräfte ist wichtig.“ In dem Zusammenhang kritisiert er den Theaterbetrieb: „Alles ist doch nur noch modisch und trendig, wir müssen nachhaltiger agieren.“ Junge Sänger würden zu schnell „verbrannt“: „Morgens haben die ’ne Probe in Hamburg, abends singen die den Don Giovanni in Berlin.“

Dagegen möchte man mit Oldenburg bewusst eine Heimstätte bieten. Firmbach will die jungen Kräfte binden, jedenfalls solange, bis die Sänger das Rüstzeug für große Bühnen haben. Und dann kämen die hoffentlich dankbaren, erfolgreichen Sänger auch gern wieder nach Oldenburg zurück.

Noch mehr Zuschauer

Das Staatstheater werde sozusagen das Sprungbrett für Berlin oder München. „Wiederkehrende Leute als Ensemblemitglieder“, schwärmt Firmbach. Und lieber einmal einen guten Abend mit einem tollen Sänger, als denselben Sänger zum 15. Mal ermüdend an gleicher Stätte, meint Firmbach.

Im Moment hat er aber andere Sachen im Kopf – und den Ehrgeiz, jede Aufführung, die im Oldenburger Spielplan steht, auch zu sehen. Bis Mitte Mai will er das geschafft haben. Dann wird ein Schauspieldirektor präsentiert. Der Name ist noch geheim.

Auch die Familie mit Gattin und den Kindern war schon mal zum Schnuppern im Norden und ist nicht erschrocken umgekehrt. Firmbach selbst zeigt sich nett überrascht: „Obwohl ich Oldenburg immer besser kennenlerne, finde ich keine Makel!“

Das Publikum schätzt er als wohlwollend ein. Er weiß, dass er bei mehr als 200 000 Besuchern pro Saison in mächtige Fußstapfen tritt. Aber dadurch könne man auch mutig werden: Das Haus soll brummen, da sei mehr drin, sogar eine Steigerung der enormen Zuschauerzahl hält Firmbach für machbar.

Indes, die Qualität des Kuchens erweist sich beim Essen. Wer so was Kluges mal sagte? Rainer Mennicken. Der war Oldenburgs vorvorheriger Generalintendant.

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