Konzert:
Tschaikowsky in hämmernder Art

Bremer Philharmoniker spielen in Stadthalle Wilhelmshaven

Wilhelmshaven Selbst zu Günter Neuholds Zeiten als Chefdirigent hatten die Bremer Philharmoniker noch Defizite in einigen Stimmregistern. Bei den letzten Auftritten in der Wilhelmshavener Stadthalle hat das Orchester gezeigt, dass es sich inzwischen an den besten Orchestern Deutschlands messen lassen kann.

Die Eleganz und die Intensität, mit der die Bremer am Dienstag die Sinfonie Nr. 4 von Sibelius in a-Moll zum Publikumserfolg führten, belegten die Extraklasse der Musiker aus der Wesermetropole. Dima Slobodeniouk, der ebenso geschmeidig wie umsichtig dirigierte, versuchte erst gar nicht, der Sinfonie krampfhaft dort Bedeutung zu verleihen, wo sie scheinbar ins Diffuse abgleitet. Umso konzentrierter profilierte er die Musik dort, wo die Stimmung konkret nachvollziehbar ist oder Soli wie funkelnde Intarsien hervorleuchteten.

Dabei unterstützten ihn die hervorragenden Bläser und Streicher. Und als wolle er unterstreichen, dass Sibelius nicht spröde sein muss – was von Musikerkollegen behauptet wird –, ließ er als Zugabe den effektvollen „Valse triste“ spielen, der nach energischem Mittelteil in einer Geste schmerzlicher Sehnsucht aushauchte.

Solche Feinheiten findet man bei Tzimon Barto selten. Er war der Solist beim Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll für Klavier und Orchester von Tschaikowsky. Barto lieferte eine Hardcover-Version des Werkes. Er vermochte zwar den Solopart zwischen extremem Fortissimo und säuselndem Piano zu spannen. Aber was seinem Spiel und den Übergängen fehlte – im Gegensatz zum Orchester –, war Geschmeidigkeit. Barto pflegte die Akkorde – noch rücksichtsvoll in der Einleitung, aber viel heftiger gegen Ende des 1. Satzes – auf die Tasten zu hämmern, als gelte es Stahlträger einzurammen. Seinem Akkordspiel fehlte das Swingende, der Nachklang. Hinzu kam, dass seine gelegentlich sehr übertriebene Gestik und Mimik mehr an amerikanisches Showbiz denn an die russische Seele erinnerten.

Bei aller Kraft, die Tschaikowskys Klavierkonzert erfordert – es ist nicht die Kraft, die zerstören, sondern die strahlen will. Und nicht zuletzt fragt man sich, warum spielt ein Pianist vom Format Bartos weite Passagen vom Blatt ab – verbunden mit ablenkendem Umblättern?

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Tschaikowsky in hämmernder Art
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