Auszeichnung:
Vom radikalen Islamismus gelöst

Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Preis geht an Ahmad Mansour

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stadt Oldenburg wird diesmal am 3. Mai verlieren. Der aus Israel stammende Diplom-Psychologe Mansour (39) lebt in Berlin.

Oldenburg Der renommierte Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg wird 2016 dem palästinensisch-israelischen Psychologen und Autor Ahmad Mansour zuerkannt. Mansour erhält die Auszeichnung, so die Jury am Dienstag, „aufgrund seines außerordentlichen Einsatzes für Demokratie, Toleranz und Integration.“

Weiter heißt es in der Begründung: „Mansour wäre in seiner Jugend beinahe selbst zu einem Islamisten geworden. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Sozialisation leistet Ahmad Mansour beispielhafte Präventions- und Aufklärungsarbeit, auch und gerade mit Jugendlichen.“

Neben seinen wissenschaftlichen, publizistischen und beratenden Tätigkeiten engagiert sich Mansour, der erst am vergangenen Sonntag in Anne Wills TV-Talkrunde zu erleben war, gleichermaßen in seiner Arbeit gegen Extremismus, Unterdrückung, Antisemitismus und Fanatismus.

Der Jury gehörten an: Sabine Doering (Uni Oldenburg), der Journalist und Autor Gunter Hofmann („Die Zeit“, Berlin), der Soziologe Dieter Rucht, der freie Journalist Friedrich-Wilhelm Kramer sowie der Historiker Martin Sabrow, Direktor des Zen­trums für Zeithistorische Forschung Potsdam und Lehrender an der Humboldt Uni Berlin.

Der Palästinenser Ahmad Mansour wurde 1976 in Israel in dem arabischen Dorf Tira geboren. Als 13-Jähriger wurde der in patriarchalen Strukturen aufgewachsene Jugendliche durch den fundamentalistisch geprägten Imam regelmäßiger Besucher einer Koranschule.

Bis zum Abitur vollzog sich seine Erziehung zum Islamisten. 1996 nahm er in Tel Aviv sein Studium der Psychologie, Soziologie und Philosophie auf. In der Studienzeit setzte ein Prozess innerer Distanzierung und Loslösung ein. Nach Beendigung des Studiums arbeitete Mansour als psychologischer Betreuer in einer deutschen Klinik bei Tel Aviv und später in der Marketingabteilung eines Pay-TV-Senders. Aufgrund der Gewalterfahrungen der zweiten Intifada siedelte er 2004 nach Berlin um und setzte nach erheblichen Orientierungsschwierigkeiten sein Studium der Klinischen Psychologie fort.

Mansour ist Mitarbeiter der „ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur, Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus“ und engagiert sich seit 2007 als Gruppenleiter im Gleichberechtigungsprojekt „Heroes“, einem Projekt gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Seit 2013 ist er Mitarbeiter von „Hayat“, einer Beratungsstelle gegen Radikalisierung. Zudem berät er seit 2011 die „European Foundation for Democracy“ in Brüssel. Mansour, von 2012 bis 2014 Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, führt zudem Schulungen und Workshops mit Jugendlichen, Pädagogen und Sozialarbeitern durch.

2015 erschien im S. Fischer Verlag sein viel diskutiertes Buch „Generation Allah – Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“.


Infos:   www.ossietzky-preis.de 

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel

Mehr zu ...

Newsletter

Das Team vom NWZonline Newsletter

MONTAGS BIS FREITAGS

die wichtigsten Nachrichten vom Tage in Ihrem Postfach.
article
5e9df75c-be91-11e5-a99e-bf68ccad5a41
Auszeichnung
Vom radikalen Islamismus gelöst
Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung der Stadt Oldenburg wird diesmal am 3. Mai verlieren. Der aus Israel stammende Diplom-Psychologe Mansour (39) lebt in Berlin.
http://www.nwzonline.de/kultur/vom-radikalen-islamismus-geloest_a_6,0,3196935698.html
20.01.2016
http://www.nwzonline.de/rf/image_online/NWZ_CMS/NWZ/2014-2016/Produktion/2016/01/20/KULTUR/1/Bilder/KULTUR_1_13f98148-5dcb-4030-b233-af04a487c106--221x337.jpg
Kultur,Auszeichnung
Kultur

Kultur

Sommerkonzerte In Deutschland

Diese Stars rocken den August

Berlin Sting gibt gleich zwei Konzerte, ebenso Patti Smith. Weitere Legenden der Pop- und Rockmusik sind im Juli und August live zu hören. Aus Frankreich kommt eine Newcomerin, die mit ihrem Debütalbum die Charts erstürmte.

Festival Wiesbaden Biennale Trauergottesdienst für europäische Werte

Wiesbaden Europa ist nicht mehr so einig, nicht mehr so sicher und nicht mehr so solidarisch wie früher. Das will der Niederländer Dries Verhoeven beim Theaterfestival Wiesbaden Biennale thematisieren. Dazu lädt er in eine Kirche ein, das Publikum soll schwarz gekleidet und mit Blumen kommen.