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NWZonline.de Nachrichten Kultur Weser-Ems

Mit 101 als Telefonjoker abgeräumt

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Oldenburger Beeindruckt Bei Jauch:
Er fühlt sich fast wie ein 101-jähriges Wunderkind

Oldenburg „Den Seinen gibt ’s der Herr im Schlaf.“ Mit einem Lächeln im Gesicht zitiert Hans von Seggern aus seinem Lieblingspsalm. Gottvertrauen hat ihm im Leben schon oft geholfen. Gerade, wenn es hoffnungslos zu sein schien. Der 101-jährige Oldenburger Pfarrer im Ruhestand hatte als Telefonjoker in Günther Jauchs Sendung „Wer wird Millionär?“ für seinen Sohn Christoph (50) buchstäblich in letzter Sekunde die 125 000-Euro-Frage locker gelöst. Aufgezeichnet worden war die Sendung bereits vor zehn Tagen. Die Zuschauer jubelten mit den von Seggerns jedoch erst am Montagabend, als das Quiz auf RTL lief.

Telefon klingelt ständig

Seither klingelt bei Hans von Seggern pausenlos das Telefon. Alle wollen dem ältesten Mitspieler der Sendung gratulieren oder ein Interview von dem Mann, der in vier Wochen seinen 102. Geburtstag feiert. Schon während der Sendung begeisterte der lebensweise evangelische Pastor das Publikum. „Inzwischen komme ich mir beinahe vor, wie ein 101-jähriges Wunderkind“, sagt der Mann, der im hohen Lehnstuhl vor einer großen Bücherwand in seinem Wohnzimmer sitzt und – wie mit Ehefrau Irmgard geplant – am Dienstag Teebesuch zu seinem Gesprächskreis empfängt.

Ein Buch war es, das Hans von Seggern bei der Beantwortung der Frage von Jauch auf die Sprünge half. Und zwar eines, das er vor etwa 90 Jahren zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte. Darin ging es um die Geschichte der Luftfahrt. „Und ich erinnerte mich in jenem Moment am Telefon daran, dass es ein englischer Autobauer war, der 1910 als erster den Ärmelkanal nonstop hin und zurück überflogen hatte“, erzählt von Seggern. Davon bot Jauch allerdings zwei zur Auswahl: Charles Rolls und Henry Royce. Seggern empfahl seinem Sohn den Namen Charles Rolls als Ergebnis einzuloggen. „Danke schön! Ich glaube Dir“, sagte Sohn Christoph, Pfarrer wie sein Vater. Voller Vertrauen auf seinen Telefonjoker loggte er also die Antwort ein. Tosender Applaus setzte ein, denn sein Vater hatte recht. Dass er nicht Henry Royce nannte, so sagt der 101-Jährige, da habe bestimmt der liebe Gott ihm einen Stupps gegeben.

„Von dem Gewinn wollte Christoph mir natürlich sofort etwas abgeben. Aber das kann er behalten“, sagt von Seggern, dessen Sohn ihn übrigens damit überrascht hatte, bei „Jauch“ mitzumachen. Und nicht nur das, sondern ihn auch als Telefonjoker schon angemeldet hatte. „Ich fürchtete, meinen Sohn zu blamieren.“ Doch genau das Gegenteil war der Fall. Das gute Gedächtnis führt von Seggern darauf zurück, dass er ein Leben lang gelernt hat.

Nach dem Abitur am Alten Gymnasium hatte er sich zunächst in Heidelberg für Jura eingeschrieben, um später Diplomat zu werden. Doch die Schatten des Zweiten Weltkrieges durchkreuzten diese Pläne: Schwer verwundet wurde er vor Moskau im Februar 1942, dann im Lazarett wieder zusammengeflickt.

Als Major im Generalstab kam er viel später dann in Kriegsgefangenschaft. In dem belgischen Lager Zedelgem fand er seinen Weg zu Gott, organisierte für die Gefangenen „Zeiten der Besinnung“, die zu Stunden der Hoffnung wurden. Das einzige Buch, was es gab, war die Bibel. Laien-Gottesdienste wurden zelebriert. Noch heute denkt von Seggern dankbar an diese Zeit zurück, die seinen Lebensweg prägte.

Bischof ermunterte ihn

Als er wieder nach Oldenburg zurückkehrte, lernte er im Reisebüro des Vaters, besuchte aber regelmäßig die biblische Arbeitsgemeinschaft des Oldenburger Bischofs Stählin. Der ermunterte den bereits 34-Jährigen schließlich, Theologie zu studieren.

„Das war nicht so einfach, denn meine Frau Leni fragte mich zu Recht, wovon wir mit den Kindern leben sollten“, erinnert er sich heute. Späterhabe sie dann doch eingewilligt. Sein Gehirn musste sich wieder an das Lernen gewöhnen. „Zwischen der Zeit meines Jura-Studiums und dem ersten Semester Theologie war das sogenannte Tausendjährige Reich in Trümmer zerfallen“, sagte er.

Zunächst musste er Hebräisch und Griechisch rauf- und runterdeklinieren. Nach sechs Semestern Theologie in Heidelberg und einem Vikariat in Westerstede erhielt er aus Bonn den Ruf, als Militärseelsorger nach Fontainebleau zu gehen. Die Familie zog in die Nähe von Paris, und Ehefrau Leni hielt ihm und den vier Kindern den Rücken frei. „Es war eine interessante Zeit“, erzählt er. Doch die Unbeschwertheit endete jäh, als seine Frau an Leukämie erkrankte und starb.

Der Glaube gab ihm Kraft. Schon als Schüler hatte er sich immer eine große Familie gewünscht, und nachdem er seine zweite Frau Irmgard, eine Pastorin aus Westerstede, kennengelernt und geheiratet hatte, kamen noch zwei Kinder auf die Welt. Und fragt man Hans von Seggern nach seiner Lebensphilosophie, so sagt er: „Das Geheimnis meines Lebens ist, 75 Jahre gut verheiratet zu sein. Und das Gottvertrauen“, so ergänzt er, „dass doch immer wieder alles gut wird.“

Und so war er auch überzeugt, dass sein Sohn möglicherweise kein Millionär wird in der Sendung, aber Glück haben könnte. „Und er hat seine Sache gut gemacht“, findet der Vater. Auch Günther Jauch mache das „doch ganz professionell“.

Sohn Christoph von Seggern, der 1985 Abitur am Alten Gymnasium machte und Theologie in Nürnberg, Bonn und Heidelberg studierte, lebt heute in Forchheim. Seit einem Jahr arbeitet er für die Mission „eine Welt“ und pflegt von Nordbayern Partnerschaften nach Papua-Neuguinea, Tansania und Brasilien. „Ich nenne mich immer eher scherzhaft Missionar“, sagt er.

An das Wissen seines Vaters hat er immer geglaubt. Christoph von Seggern räumt ein, auch bei den vorherigen Fragen von Jauch an der einen und anderen Stelle geraten zu haben. „Ich wollte natürlich gern, dass mein Vater zum Einsatz kommt – und das hat ja dann auch geklappt. Bei der nächsten Frage passte er und stieg aus. Von dem Geld will er Büsche für den Pfarrgarten kaufen und vielleicht ein Wohnmobil, um mit der Familie durch Europa zu touren.

Vater Hans von Seggern freut sich, dass ihm auch Bischof Jan Janssen schon gratuliert hat. „Und mich hat sogar der Taxi-Fahrer heute Morgen erkannt“, erzählt er. Der habe ihn gefragt: „Sind Sie nicht der von Günther Jauch? – Woher haben Sie denn das gewusst? Da habe er nur gesagt: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“

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