Meeresforschung:
„Sonne“ lässt Wissenschaftler strahlen

Neues Schiff auf erster Expeditionsfahrt – Lob von Oldenburger Heimatinstitut

Aktuell ist das Schiff in der Karibik unterwegs. Zuvor waren Oldenburger Wissenschaftler an Bord der „schwimmenden Universität“.

Oldenburg/Wilhelmshaven/Karibik Es gilt als das modernste Forschungsschiff der Welt und steht seit November vorigen Jahres im Dienst der Wissenschaft: Die „Sonne“, 116 Meter lang und gut 20 Meter breit und 124,4 Millionen Euro teuer. Bernard Meyer, Chef der Meyer Werft im emsländischen Papenburg, die das Schiff gebaut hat, spricht gern von einer „schwimmenden Universität“.

Aktuell ist das Hochleistungslabor, das seinen Heimathafen in Wilhelmshaven hat, in der Karibik unterwegs. Die Sonne ist Mitte Dezember in Las Palmas zur Reise SO237 ausgelaufen. Während der ersten wissenschaftlichen Expedition des neuen deutschen Tiefseeforschungsschiffs wollen Wissenschaftler die Biologie und Geologie die „Vema Fracture Zone“ im Atlantik genauer untersuchen. Die „Vema-Fracture-Zone“ ist die größte Störungszone im Verlauf des mittelatlantischen Rückens, der sich in Nord-Süd-Richtung durch den ganzen Ozean zieht.

116 Meter lang und mehr als 20 Meter breit

Die Sonne ist 116 Meter lang, 20,2 Meter breit, hat einen Tiefgang von 6,4 Metern, erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 15 Knoten, verfügt über sechs Kräne, zwei Schiebebalken, einen A-Rahmen für bis zu 30 Tonnen schwere Geräte sowie neun Winden mit bis zu 12 000 Metern Kabel. Das Schiff bietet Platz für 40 Wissenschaftler und 35 Besatzungsmitglieder.

Die Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe organisiert den Betrieb der Forschungsschiffe Meteor und Maria S. Merian sowie seit 2014 des Forschungsschiffes Sonne.


Blog zur Forschungsreise:  www.oceanblogs.org/so237 

Im Internet schreiben die Teilnehmer der Forschungsfahrt regelmäßig über ihre Erfahrungen und Erlebnisse an Bord (www.oceanblogs.org/so237). „Nachdem die Wissenschaftler am 14. Dezember aus unterschiedlichen Flughäfen in Las Palmas, Gran Canaria, angekommen und vom Agenten auf das neue FS Sonne gebracht worden waren, wurden die Kammern verteilt. Nach dem Abendessen wurden erst einmal die persönlichen Gegenstände verstaut. Nachdem die Reisepässe aller Wissenschaftler von den örtlichen Behörde gescannt worden waren, war um 20.30 Uhr Auslaufen des FS Sonne, und alle Wissenschaftler versammelten sich auf den verschiedenen Decks, um das Auslaufen aus dem Hafen von Las Palmas und die Passage vorbei an verschiedenen großen Touristenschiffen hautnah zu erleben“, lautete der erste Eintrag. Und im aktuellsten Beitrag ist das Geschehen auf dem Schiff aus dem Blickwinkel eines „blinden Passagiers“, eines kleinen Reihers, nachzulesen: „Drei Wochen lang konnte ich ungestört und ungesehen die seltsamen Gestalten an Bord beobachten, wie sie allerhand Schlamm und Steine an Bord brachten, jedoch keinen frischen Fisch. Immer wieder machte ich Ausflüge, um die Umgebung zu erkunden und musste feststellen, dass um uns herum nichts war außer Wasser.“

Als Wissenschaftler und nicht als „blinder Passagier“ an Bord war im Dezember während einer Probefahrt auch der Oldenburger Umweltbiochemiker Professor Dr. Peter Schupp vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg, mit seinen Standorten in Oldenburg und Wilhelmshaven das Heimatinstitut der Sonne.

Mit zwei seiner Doktoranden nahm er an einer 30-tägigen Forschungsfahrt um Neuseeland teil. Bei der Reise ging es um die Sammlung und Untersuchung von Schwämmen für pharmakologische Anwendungen von Naturstoffen, die in Schwämmen vorkommen. Die Tour im Dezember diente laut Schupp auch als Vorbereitung für eine Fahrt mit der Sonne, die das ICBM für Herbst 2016 plant. Für eine ICBM-Forschungsfahrt in diesem Jahr stehe die Genehmigung noch aus.

Schupp zeigte sich nach seiner Fahrt im Dezember begeistert vom Schiff, das vom Komfort und von den Gerätschaften her hervorragend ausgestattet sei. Und er nannte noch einen ganz wesentlichen Vorteil: „Als wir aus dem Ärmelkanal kamen, hatten wir stürmische See, aber die Sonne lag gut im Wasser, so dass wir keine Ausfälle von Wissenschaftlern hatten.“

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Lars Laue

Redakteur
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http://www.nwzonline.de/kultur/weser-ems/sonne-laesst-wissenschaftler-strahlen_a_22,0,1539213572.html
07.01.2015
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