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Ulrich Jasper Seetzen: Orientforscher aus dem Jeverland

JEVERLAND „. . . Du schreibst, ich möchte nun hier bleiben, allein dies ist mir für keinen Preis möglich. Die Begriffe des Sterblichen vom Glücke sind unendlich verschieden; ich setze das meine zuerst in diese Reise. Daß es mehrere solcher Enthusiasten gibt, beweisen Bruce, Mungo, Park, Humboldt, Browne und andere. . .“ So antwortete er seinen Verwandten, die seine Abenteuerlust zu bremsen versuchten. Die Rede ist vom Naturwissenschaftler Ulrich Jasper Seetzen, dessen Todestag sich 2011 zum 200. Male jährt.

In der Fachwelt zählt Seetzen bis heute zu den bedeutenden deutschen Orientalisten. Immer wieder wird er in der Literatur erwähnt, finden Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt.

Studium in Göttingen

Als Sohn eines Landwirts am 30. Januar 1767 im jeverländischen Sophiengroden geboren, besuchte er zunächst die Lateinschule in Jever und wandte sich dann in Göttingen dem Studium der damals hochaktuellen Wissenschaften zu: Astronomie, Medizin und Naturwissenschaften. Darüber hinaus erlernte Seetzen mehrere Sprachen, um sich in der Welt zurechtfinden zu können.

Die Göttinger Studienzeit gab dem jungen Mann zudem Gelegenheit, Reisen in den nahe gelegenen Harz und nach Thüringen zu unternehmen. So eignete er sich auch praktische Erfahrungen in der landeskundlichen Forschung an.

Natürlich wurde ihm der mitteldeutsche Raum schnell zu eng, so dass er sich in den Jahren 1790 bis 1793 auf mehrere ausgedehnte Reisen durch die Länder Europas begab. Überall führte Seetzen genau Tagebuch, damit er seine Forschungsergebnisse später auswerten konnte.

Die wirtschaftliche Stütze für seine Reisen fand er in seiner Unternehmertätigkeit in Jever, der alten Residenzstadt seiner Heimat. Dort besaß er zwei Windmühlen, eine Muschelkalkbrennerei und ein Holzgeschäft. Hinzu kam eine jährliche Dotation der Landesherrin von 350 Talern, die ihn nebenbei als Assessor in der Verwaltung beschäftigte.

Seetzen hätte ein sorgloses Leben führen können, wenn nicht schließlich die Forschernatur in ihm Oberhand gewonnen hätte. Serbien, die Türkei, Kleinasien, die Sinai-Halbinsel und Arabien waren seine Ziele. Er verkaufte die jeverschen Besitztümer und machte sich 1802 auf den Weg in eine unbekannte Welt.

Herzog als Gönner

Erstes Etappenziel war die Muster-Sternwarte in Gotha, wo er sich im Gebrauch der Instrumente zur astronomischen Ortsbestimmung unterweisen ließ. Bei dieser Gelegenheit wurde der Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg zum Gönner Seetzens. Von Herzog bekam er die wichtigsten Geräte für die geografischen Messungen geschenkt und erhielt gleichzeitig den Auftrag, für das Gothaer Museum Naturalien, Handschriften und Bücher zu erwerben.

Noch im gleichen Jahr kam Ulrich Jasper Seetzen nach Konstantinopel, 1803 begann die Reise durch Vorderasien. Im Mai 1807 erreichte er schließlich Ägypten, um sich zwei Jahre lang in Kairo aufzuhalten. Für die daheim gebliebenen Wissenschaftler war Seetzens Reise von unschätzbarem Wert, denn laufend schickte er Kisten voller Antiquitäten, Kunst- und Gebrauchsgegenstände, präparierter Tiere und Zeichnungen nach Deutschland.

Ein Brief vom 17. März 1809 verzeichnet die bis dahin auf den Weg gebrachten Funde: „1574 Manuscripte, 3536 Antiquitäten, Hausgeräthe, Schmuck, Thiere, Pflanzen, Mineralien, 4 vollständige Mumien, 40 Mumienköpfe, eine Menge einbalsamierte Ibisse und Ichneumone, arabische Werke über Geographie, Geschichte, Astrologie etc.“

brIm April desselben Jahres machte er sich auf den Weg in das heutige Saudi-Arabien. Sein Husarenstück leistete Ulrich Jasper Seetzen, als er sich – als Araber verkleidet – 1809 auf eine Pilgerreise nach Mekka begab, sich nachts in die Moschee einschließen ließ und das Innere der Anlage abzeichnete. Danach soll er zum Islam konvertiert sein und sich von da an Hag Moses genannt haben. Später besuchte er noch Medina und gelangte in den Jemen.

Im Jemen vergiftet

Das letzte briefliche Lebenszeichen Seetzens datiert vom 11. November 1810. Der genaue Zeitpunkt und die Umstände seines Todes sind ungeklärt. Es heißt, dass er sich im September 1811 im Jemen auf den Weg nach Sanaa machte und bei Taiz vergiftet wurde. Hinweise darauf gibt eine Mitteilung des Engländers J. S. Buckingham. Seetzens Leichnam wurde angeblich im Oktober 1811 gefunden.

brErst vier Jahre später, 1815, erreichte die Nachricht darüber Deutschland. Seetzens umfangreiche Tagebücher wurden übrigens 1854/59 als Buch herausgegeben. Die acht Original-Tagebücher Seetzens sind in der Landesbibliothek Oldenburg verwahrt.

Bis zum heutigen Tage verwahren die Museen in Gotha, Oldenburg und Jever Teile seiner Sammlungen und Handschriften.

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